Operacion Triunfu, eine Zwischenbilanz

Das Format Operacion Triunfu ist das spanische Equivalent zur damaligen nur eine Saison laufenden Pop-Akademie. Das Verfasser konnte sich in den letzten Jahren bezogen auf musikalische Casting Formate aus Neu Seeland und Australien (X Faktor), Irland (The Voice), Großbritannien (X-Factor, The Voice), Amerika (The Voice, Boygroup, X-Factor, American Idol), Deutschland (X-Factor, The Voice, DSDS, Popstars), Portugal (X-Factor) und eben jetzt mit der aktuellen Staffel Operacion Triunfu aus Spanien einen recht guten Überblick über das bei diesen Formaten vorherrschende künstlerische Niveau machen und bei diesem Format mußte der Verfasser mit erschrecken feststellen, dass das musikalische Ausgangsniveau in keinem anderen Format so niedrig war, wie dort. Stellenweise fühlte man sich eher an ein Dilettantenstadl, denn an eine ernstzunehmende Castingshow erinnert. Das Interesse des Verfasser an diesem Format wurde lediglich geweckt, da er  mit den Youtube-Kanälen zweier Kandidaten, Agoney Hernandez und Luis Cepeda, vertraut war. Glücklicherweise muß man sagen, das trotz der teilweise überaus dürftigen Englischkenntnisse der Kandidaten, was eine exakte Aussprache angelangt, das gesangliche Niveau von Gala zu Gala in soweit gestiegen ist, das gröbere gesangliche Defizite weitgehend ausblieben. Dafür gibt es aber mittlerweile einen ganz anderen Makel zu beklagen, den einer mangelnden eigenständigen Bühnenpersönlichkeit, insbesondere bei den Damen. Die letzte Show z. B. war diesbezüglich, insbesondere was die weiblichen Kandidaten anbelangt, eine einzige künstlerische Katastrophe. Wenn ein zwei jähriges Mädchen ein Gedicht aufsagt und sich dabei die Mimik, die Gestik und den Sprachausdruck eines Erwachsenen zulegt, ist das niedlich. Wenn allerdings 6 Erwachsene junge Damen, sich mit einem gekünstelten Lächeln auf die Bühne stellen, antrainierte sportive Übungen zur Musik machen und sich dazu noch eine gekünstelten Gesangsform zulegen, die suggerieren soll, man fühle was man singt, ist dieses nur noch peinlich. Vor einigen Jahren gab einmal eine Wiederauflage des Filmes „Die Frauen von Stepford“ Dieser Abend wirkte wie ein dritter Aufguss oder als ob sich Olympia aus Hoffmanns Erzählungen geklont hätte, um in mehrfacher Ausführung an einer Castingshow teilzunehmen. Das Erstaunliche an diesem Abend aber kommt noch, die 4 jungen Männer, die als einzige bei ihren Gesangsauftritten etwas glaubwürdiger bis ganz glaubwürdig wirkten, wurden von der 4 köpfigen Jury auf die Strafbank, zum heraus wählen befördert. Was um so ärgerlicher anmutet, zumal die Interpretation eines französischem Chanson die absolute Königsklasse ist und wenn dieses dann auch noch von einem jungen Spanier auf eine derartige bravouröse Art und Weise ( die Rede ist von: Je suis venu te dire que je  m’en vais von Serge Gainsbourg) gelingt, war es leider bezogen auf die Jury, die diese Leistung so offensichtlich überhaupt nicht zu schätzen wussten, als würde man Perlen vor die Säue werfen. Ein anderer lieferte in jeder Show eine großartige, eigenständige Interpretation eines spanischen Popsongs ab, die jedes Mal aufs neue berührend, weil glaubwürdig, wirkt und landet dabei regelmäßig auf der Strafbank.  Offensichtlich wird in dieser Show kein Popstar mit eigenständiger Persönlichkeit gesucht, sondern der Klon bzw. das Abziehbild eines bereits bestehenden Popstars. Es wird höchste Zeit, das die Verantwortlichen für dieses Format die Notbremse ziehen und versuchen künstlerisch zu retten, was noch zu retten ist. Denn wenn diese Jury nicht schnellst möglichst ausgetauscht wird, verliert dieses Format den letzten Rest an Glaubwürdigkeit. Der Schaden ist mit der letzten Juryentscheidung bereits entstanden, jetzt kann es nur noch darum gehen zu retten, was noch zu retten ist, denn sonst werden bald sämtliche Kandidaten (einige sind schon geflogen), die über eine eigenständige Bühnenpersönlichkeit verfügen, von der Jury heraus befördert werden und das kann es  nicht sein. In keinem anderen „ausländischen“ Format sind dem Verfasser jemals so grobe Fehlentscheidungen unter gekommen, wie in diesem. Um auf diese Missstände hinzuweisen hatte sich der Verfasser erlaubt eine E-Mail an den Intendanten dieses Fernsehsenders zu schicken, diese blieb allerdings unbeantwortet und es folgten auch keinerlei Konsequenzen. Die Konsequenzen aus diesem völligen Versagen der Jury, die zwei größten musikalischen Langweiler mit einem ebenso langweiligen Titel zum Eurovision Songcontest zu schicken, wurde daraufhin dann von ausländischen Juroren und den Fernsehzuschauern mit dem viertletzten Platz abgestraft. Hätten die Verantwortlichen die rechtzeitige Warnung des Verfasser, bevor eine offensichtlich wohl weniger qualifizierte Jury alle potenziell erfolgreichen Kandidaten eliminieren konnte ernst genommen, wäre Spanien diese Blamage erspart geblieben. Vielleicht setzten die Verantwortlichen ja nächstes mal auf eine Jury, die weniger Interesse an einem perfekten Make up (die erste Dame zur linken ) und gut gestylter Frisur ( der erste Herr zu linken) hat, und sich stattdessen mehr für das eigentliche Interessiert, die Musik.  Wer Talent vor Augen hat und nicht in der Lage ist dieses zu erkennen, der ist als Juror am falschen Platz. Vielleicht sollte man nächsten mal auch erst den Kandidaten Küren und dann eine Songauswahl treffen und nicht umgekehrt, wie es hier wohl augenscheinlich gewesen sein muß. Weder der ausgewählte Titel, noch die ausgewählten jungen Sänger waren dieser Veranstaltung gewachsen gewesen. Wie einst  Gigliola Cinquetti so treffen feststellte: Non ho l’etá.

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Opernexperte
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