Giuseppe Verdi: Simon Boccanegra (Hamburgische Staatsoper. 15.10.2017)

Die Leitung der „Simon Boccanegra“- Reihe am Anfang der Spielzeit 2017/18, 11 Jahre nach der Premiere, wurde dem deutschen Dirigenten Christoph Gedschold übertragen, seit 2 Jahren Kapellmeister der Oper Leipzig und derzeit an der Staatsoper viel beschäftigt, wobei auch „La Traviata“ und der „Freischütz“, letzteres als Einspringer für den erkrankten Christof Prick auf seinem Programm stehen („La Traviata“ hatte der Verfasser kürzlich auf hier besprochen)
„Simon Boccanegra“ könnte man als Werk des „Übergangs“ bezeichnen. Es wurde nur 4 Jahre nach der „Traviata“ 1857 uraufgeführt und ist im Gegensatz zu Verdis‘ Triologie nahezu vollkommen durchkomponiert und läßt schon seine späteren Meisterwerke erahnen. Dieses Werk ist in seinen Grundzügen eher düster und melancholisch; verfügt aber über die Verdi- typische Melodik, Rhythmik und das Aufblühen dramatischer Ensembleszenen. Dem wurde an diesem Abend der Orchesterklang nicht durchgehend gerecht. Trotz einer Steigerung nach dem Prolog blieb der Klang des Philharmonischen Staatsorchesters eher nichtssagend, zu wenig prägnant und mit zu wenig Innenspannung. Hin und wieder leuchtete eine gewisse Vehemenz in den dramatischen Phrasen auf; in den lyrischen hingegen, war außer einem schönen Klangteppich nichts zu hören und das ist leider für ein Werk mit Tiefgang wie „Simon Boccanegra“ zu wenig.
Claudio Sgura sang einen eher lyrischen und doch ergreifenden Simon Boccanegra, sehr präsent in den lyrischen Sequenzen und doch mit der nötigen Autorität in der Stimme für die dramatischen Augenblicke gesegnet. Alexander Vinogradov als Fiesco, mit seinem intensiven, durchdringenden und überaus präsenten Bass, war dem Verfasser stellenweise in der Art der Artikulation zu wenig rund, die Stimme klang eher offen gebildet; dennoch ein beeindruckendes Rollenporträt . Guanqun Yu, die der Verfasser bereits von einer bei Premiere Opera erschienenen Stiffelio DVD (Rezension auf dieser Seite) noch in bester Erinnerung geblieben ist, gab eine beeindruckende Amelia; grandios in den lyrischen, sowie auch in den dramatischen Sequenzen, selbst die Verzierungen zum Ende des zweiten Aktes gelangen makellos: eine herausragende Leistung. Massimo Giordanos Stimme als Gabriele trug in den lyrischen Sequenzen besser als in den dramatischen; gerade in den erstgenannten fand ihn der Verfasser besonders bezwingend. Sascha Emanuel Kramer überzeugte mit einer guten stimmlichen Leistung als Capitano del Balestieri. Alexey Bogdanchikov war in der ersten Hälfte eher schwach; stimmlich präsenter dann seine Auftritte nach der Pause in den Akten 3 und 4. Alin Anca war als Pietro leider weniger bezwingend. Desweiteren wirkten mit: Soomin Lee als Un’ancella di Amelia, Kai Teschner und Valeri Engel als Boccanegra Double und Britta Siebels als Maria, die im Schlußbild dann mit Simon Boccanegra vereint im Bildhintergund zu sehen war. Ein gelungener, kurzweiliger Abend, trotz der Schwächen beim Orchesterklang.
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