Richard Wagner: Parsifal ; Bayreuth 2016 (DVD, Universal)

Der Weltraum, unendliche Weiten…… Wir schreiben das Jahr 2016 und befinden uns visuell mitten auf dem grünen Hügel im Bayreuther Festspielhaus, dem irdischen Zentrum aller Wagnerianer und werfen zum Vorspiel einen intensiven Blick in den Weltraum und sehen Planeten, Sonnen und Gestirne an uns vorbeiziehen und das ganze bei einem opulenten Orchesterklang, wenn auch nach Meinung des Verfassers in etwas zu raschem Tempo (wegweisend für ihn sind Knappertsbusch‘ späte Aufnahmen und Goodall). Im ersten Akt scheint es, dass es uns  zu den Passionsfestspielen nach Oberammergau verschlagen hat; irritierenderweise allerdings unter dem „Schutz“ martialisch bewaffneter Antiterror-Einheiten, worauf heutige Regisseure wohl nicht verzichten können, wie z.B. bei der aktuellen „Tosca“ in Lübeck. Im zweiten Aufzug befinden wir uns dann im einem Hotelfoyer, in welchem uns augenscheinlich Mata Hari willlkommen heißt. Im dritten Akt finden wir uns dann in einer Art Zitadelle, in einem idyllischen Waldstück gelegen wieder, zumindest wird zu Beginn dieses Aufzuges auf dem Vorhang, idyllisches Grün offeriert. Am liebsten würde man der stöhnenden Kundry noch die Worte der Marschallin aus dem Rosenkavalier in den Mund legen:“Jetzt haben Sie ein altes Weib aus mit gemacht“, da  ein weniger modisches Kopftuch  ihr Haupt ziert.
Der Klang des Festspielorchesters, unter der Leitung des kurzfristig vor der Premiere 2016 eingesprungenen Dirigenten Hartmut Haenchen, ist opulent, bezwingend und über weite Strecken mitreißend
Die Besetzung läßt nur wenige Wünsche offen. Georg Zeppenfeld ist etwas zu lyrisch für den Gurnemanz, gestaltet die Partie aber beeindruckend. Ryan McKinnay überzeugt als Amfortas. Karl-Heinz Lechner hören wir als Titurel. Mag Klaus Florian Vogt auf Tonträgern immer etwas weniger vorteilhaft wegkommen, als wenn man ihn in einem Opernhaus erlebt; hier ist die Stimme überaus präsent und wird auch vom dramatischen Ausdruck her, der Rolle des Titelhelden vollauf gerecht. Elena Pankratova ist eine hinreißende, bezwingende und auch vom Stimmklang her, überaus verführerische Kundry, selbst wenn die Stimme in manchen dramatischen Passagen etwas schrill zu werden droht. Gerd Grochowski ist ein, vom Stimmklang her, eher grober Klingsor. Tansel Akzeybek und Timo Riihonen als Gralsritter, Alexandra Steiner, Mareike Morr, Charles Kim und Stefen Heibach als Knappen, sowie Anna Siminska, Katharina Persicke, Mareike Morr, Alexandra Steiner, Bele Kumberger und Ingeborg Gillebo als Blumenmädchen und Wiebke Lehmkuhl als Stimme aus der Höhe, runden dieses in sich homogene Ensemble treffich ab. Hervorzuheben wäre da noch der grandiose Chor, wie immer, beeindruckend vorbereitet von Eberhard Friedrich.
Gesamtbetrachtet beschert diese Produktion einen kurzweiligen, insbesondere musikalisch mitreißenden Abend, bei Verzicht auf alle Zutaten früherer, klassischer Inszenierungen dieses außergewöhnlichen Werkes, oder gerade deswegen.
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Opernexperte
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