Giacomo Meyerbeer: Vasco de Gama (CPO)

Ein Werk, das schon seit langem in seiner stark gekürzten Fassung unter dem Titel L’Africaine (1865), vielen Opernliebhabern bekannt sein dürfte. Es wurde 2013 im Opernhaus Chemnitz endlich wieder in seiner Originallänge (255,20 Minuten ) einem größeren Publikum näher gebracht. CPO haben wir es nun zu verdanken, dass diese „Wohltat“ jetzt auch einem noch größeren Publikum zu Gehör gebracht werden kann. Die Robert Schumann Philharmonie, unter der Leitung von Frank Beermann, sorgen für einen großartigen Klang. Die Interpreten sind leider nicht alle so hundertprozentig der französischen Sprache in ihrer richtigen Artikulation mächtig; so klingen manche Sänger für das französisch geübte Ohr ein wenig idiomatisch; das schmälert aber den Hörgenuß nur unwesentlich. Bernhard Berchtold in der Titelpartie hat einen hellen Tenor, der schon Anzeichen für das“heldische Fach“ erkennen läßt, auch wenn nicht immer alle höheren Noten exakt gebildet klingen, so gelingt ihm doch eine schlüssige, hervorragende Rolleninterpretation. Claudia Sorokina in der Rolle der Selika besitzt einen angenehmen, warmen Sopran. Verzierungen werden von ihr exquisit ausgeführt und die Stimme gleitet mühelos in die Höhe, ohne dass sie dabei an Wärme und Charme einbüßt. Pierre-Yves Pruvot ist als Nelusko mit seinem herrlichen, teilweise elegant anmutenden Bass einer der Höhepunkte dieser Produktion zusammen mit Claudia Sorokina. Guibee Yang als Ines besitzt eine jugendlich dramatische Stimme  mit einem runden, vollen Klang, auch in der Höhe. Kouta Räsänen, ebenfalls Bass, kann mit seiner hervorragenden Stimmführung und seiner eleganten Rollenausdeutung als Don Pedro punkten; eine großartige Rolleninterpretation. Rolf Broman besticht sowohl als Großinquisitor von Lissabon, wie als Oberpriester des Brahma. Martin Gäbler als Don Diego hat ein wenig mit der korrekten französischen Artikulation zu kämpfen und auch seine teilweise recht offene Stimmführung tragen nicht zur Verbesserung seiner Rolleninterpretation bei. In weiteren Rollen singen André Riemer den Don Alvar, Tiina Penttinen die Anna, Tommaso Randazzo einen Matrosen, Harald Meyer einen Ratsdiener, Thomas Fröb, Thomas Seidel, Björn Werner und Stefan Kringel sind das Matrosenquartett und als Chorsolisten runden Stephan Hönig und Jann Schröder diese wunderbare Produktion stimmlich adäquat ab. Zudem hören wir noch den Chor der Oper Chemnitz in bestechend guter Form. Ein Opernabend, der einem trotz der Länge, überaus kurzweilig anmutet.
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Opernexperte
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