Richard Wagner: Lohengrin aus der Semperoper in Dresden 2016 ( DVD, DG)

Dieses ist zumindest nicht die Aufführung, die der Verfasser vor einiger Zeit als CD besprochen hat. Die Inszenierung ist plüschig bis klassisch (1983 von Angela Brandt) mit aufwendigen Kostümen; bei der Hochzeitsszene zum Ende des zweiten Aktes möchte man fast meinen, Königin Elsa I. bereitet sich mit Hermelin und Krone darauf vor, mit König Lohengrin I. zur „Kaiserkrönung“ zu schreiten und nicht wagnergerecht zur Trauung.
Die Dresdner Staatskapelle, unter der Leitung von Christian Thielemann, offerieren einen wunderschönen, ebenmäßigen, getragenen Wagnerklang ohne nennenswerte Höhen und Tiefen. Es hätte schon etwas expressiver sein können. Piotr Beczala gelingt mit seiner hervorragenden Gesangstechnik ein überzeugendes Lohengrinporträt; er findet sowohl in den dramatischen, wie in den lyrischen Passagen, exakt den richtigen Tonfall. Anna Netrebko klingt und erscheint als Elsa etwas jungfräulich, wobei ihre Interpretation durchaus stimmig ist. Ihre Stimme ist, wie gewohnt, sowohl in der Höhe wie auch in der Tiefe ebenmäßig schön, die Artikulation aber nicht. Das genaue Gegenteil ist dagegen die Stimme von Evelyn Herlitzius (Sopran) ; keine Substanz in der tiefen Lage, die Mittlellage klingt angenehmer und in der Höhe klingt sie manchmal etwas weniger charmant. Sie verleiht der Rolle der Ortrud eine dramatische Intensität, die fast immer auf Kosten der vokalen Linie geht. Die sehr anspruchsvolle Rolle der Ortrud ist von Wagner im Mezzofach angesiedelt, auch um einen Kontrast zur Sopranrolle der Elsa zu schaffen. Man kann darüber streiten, welches Fach geeigneter ist; nach Ansicht des Verfassers dürfte aber das Mezzofach zu bevorzugen sein, wie vergangene Besetzungen zeigen. Eine Christa Ludwig z.B. oder eine Eva Randova waren vor Jahren Idealbesetzungen. Wer in heutiger Zeit eine Katja Pieweck (Staatsoper Hamburg) als Ortrud erlebt hat, weiß, wie diese Rolle zu besetzen ist. Tomasz Konieczny ist musikdramatisch mit seiner gesanglichen Auslegung der höchst anspruchsvollen Rolle des Telramund etwas überfordert. Die Stimme geht stellenweise hörbar an ihre Grenzen, klingt rau und der Text klingt dem Verfasser über weite Strecken zu wenig ausgesungen und erinnert eher an eine Art Sprechgesang. Georg Zeppenfeld ist wohl momentan einer der besten Sänger des König Heinrich: ein hervorragend ausbalanciertes Rollenporträt. Derek Welton besitzt eine wunderschöne, gut gebildete Baritonstimme; leider ist diese für den Heerrrufer zu lyrisch. Dennoch, von diesem vielversprechenden Talent möchte der Verfasser zukünftig gern mehr hören. Der sächsische Staatsopernchor kommt leider viel zu selten aus sich heraus. Vieles klingt zu oratorienhaft, bzw. nicht spannend genug aufbereitet.
Anmerkung: 2018 ist an der Semperoper in Dresden ein neuer Ring des Nibelungen zu erwarten
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