Peter Maxwell Davies: Das Medium / Michael Nyman: Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte (Allee Theater 12.05.2017)

Der im Jahre 2016 mit 81 Jahren in Schottland verstorbene Komponist Peter Maxell Davies zählt zu den wichtigsten und auch interessantesten modernen britischen Komponisten. Er komponierte unter anderem: The Martyrdom of St Magnus (1977; chamber opera), The Lighthouse (1979; chamber opera), Cinderella (1980; children’s opera), Caroline Mathilde (1991; ballet), Kommilitonen! (2011; opera), 10 Sinfonien und Werke für Mezzosoprane, Bassisten und Chorwerke. Die Oper das Medium stammt aus dem Jahre 1981 und wurde an diesem Abend in deutscher Sprache in der Hamburger Kammeroper aufgeführt. Es ist ein Werk für Sopran ohne Orchester. Der Sopranistin Kristin Ebner, die sich an diesem Abend gleich als Elektra von Richard Strauss empfohlen hat, wird an diesem Abend die gesamte Bandbreite ihres musikalischen Könnens abverlangt, von lyrischen, verinnerlichten Momenten, bis hin zu dramatischen Ausbrüchen und gesungenen Rezitativen verlangt dieses 50 minütige Werk ein schwer zu bewältigendes Ausdrucksspektrum. Anfangs ist sie noch in ihrer Küche, dann tritt Sie von der Bühne in den Saal und liest verschiedenen Personen aus der Hand. In der ersten Hälfte erinnert ihr Gesang sehr an die Gesangslinie einer Komposition von Richard Strauss. Erst ab der zweiten Hälfte gewinnt Sie mehr und mehr ihren eigenen Klangcharakter. Man kann zusehen und zu hören wie die Sängerin immer wieder zwischen Wahn und vollem geistigen Bewusst sein hin und her schwankt. Kirstin Ebner ist mit ihrem ausladenden, ebenmäßigen Sopran für diese Rolle eine Idealbesetzung. Einfach grandios wie sie sich diese Rolle zu eigen macht und im Charakter dieser Frau voll aufgeht. Ein Werk das es verdient hätte öfter  aufgeführt zu werden. Für die Hamburger Kammeroper bietet  dieses Werk den Idealen Rahmen.

Die vokalen Kompositionen von Michael Nyman dürfte einigen meiner Leser vor allem durch Ute Lemper bekannt sein, die einige seiner vokal Werke für die DECCA einspielte. Der Mann der seine Frau mit einem Hut verwechselte ist ein 3 Personen Stück in welcher wir Zeuge werden, wie ein begnadeten Musiker den Kontakt zur realen Welt mehr und mehr verliert. Er sieht keine Gesichter mehr und erkennt Gegenstände und Personen nur noch über logische Schlussfolgerungen, oder anhand von Mustern oder Stimmen. Die Zuordnung  von Gegenständen erfolgt z. B.  dann so: Ein Gegenstand aus Leder mit fünf Enden und einer größeren Öffnung auf der anderen Seite; es ist ein Handschuh. Der Psychologe wird vom Tenor Ansgar Matthes,  mit seinem lyrischen, perfekt ausbalancierten Tenor bravourös gesungen. Natasha Dwulecki ist mit ihren dramatischen Einwürfen eine ideale Mrs. P. Grandios wie beide ihre Rollen ausgestalten. Titus Witt gab an diesem Abend die Titelrolle. Eine Rolle die sowohl darstellerisch und auch gesanglich nicht ganz einfach ist, da man hier den Spagat zwischen unterschwelliger Komik und Tragik exakt treffen muß. gestaltet man den Dialog mit seinem Hut an der Wand zu aufgesetzt komödiantisch wirkt das ganze nicht mehr glaubwürdig. Titus Witt gelingt eine ergreifende Charakterstudie, die einen ihrer absoluten Höhepunkte in der Gestaltung des Robert Schumann Liedes“Ich grolle nicht“ findet. Selten hörte man dieses Lied so differenziert ausgestaltet wie an diesem Abend. Ettore Prandi mit dem Allee Theater Ensemble traf exakt den richtigen musikalischen Tonfall für diese Musik und rundete somit diesen Abend hervorragend ab.  Ini Gerath (Regie) gestaltet mit Kathrin Kegler (Bühne ) im ersten Werk einen Raum mit einem Tisch und einem Stuhl durch welchen Seile gespannt waren unter denen Kristin Ebner immer wieder hindurch tauchen mußte. Im zweiten Teil dann eine Schräge mit einem Tisch und zwei Stühlen, Bilderrahmen und einem Schachbrett. Hier wurden die Seile als Notenlinien verwendet um zu verdeutlichen das die Person um die es geht Musiker war. Ein kurzweiliger  gelungener Abend, eine Aufführungsserie die man unter keinen Umständen verpassen sollte.

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