Henry Purcell: Dido & Aeneas / Vaughan Williams: Riders to the Sea (Theaterquartier Hamburg, 02.06.2017)

Unter der Rubrik: -Die große Sommeroper- lädt die Musikhochschule Hamburg erneut zu einem Opernabend ein, der sich sehen und vor allem hören lassen kann. Da die Musikhochschule in der Milchstraße immer noch renoviert wird, findet auch dieses Jahr die Sommeroper in der Gaußstraße 190 statt. Das Bühnenbild ist einheitlich, leicht nach vorn abgeschrägt, wobei des Orchester für Purcell noch links und rechts von der Bühne positioniert wurde; bei Vaughan Williams dann nur noch links, vom Zuschauerraum aus gesehen. Bei Purcell schmückt ein Schreibtischstuhl die Bühne, bei Vaughan Williams, ein Tisch, ein Stuhl, Plastik, das wie Seetang wirkt und das Bild eines Verstorbenen mit einer Kerze davor.
Freja Sandkamm bot eine hervorragende Dido, tadellos gesungen; einzig die Stimme hätte von der Klangfarbe her noch etwas berührender, weniger unterkühlt klingen können. Seokwon Oh (alternativ steht Andreas Heinemeyer zur Disposition), war, trotz einer guten gesanglichen Leistung, doch eher etwas für’s Auge, da er erhebliche Schwierigkeiten mit der englischen Diktion hatte, die über weite Strecken zu wenig prägnant ausfiel. Etliche Textpassagen wurden leider weniger deutlich artikuliert. Pia Hansen war als Belinda hervorragend, großartige Stimmführung, und auch darstellerisch sehr überzeugend. Jingyi Yan war als Sorceress schlichtweg umwerfend; dieses prägnante Stimmtimbre, diese heraussragende Stimmführung und dann diese fesselnde Bühnenpräsenz, mit der diese junge Dame gesegnet ist. Sie war im ersten Teil, in Purcell’s Dido und Aeneas, der Höhepunkt des Abends. Als Chor glänzten Anna Becker, Dustin Drosdziok (mit dem der Verfasser vor der Aufführung noch ein paar Worte gewechselt hatte), Pia Hansen, Songyan He, Laurence Kalaidjian, Ascelina Klee (sang auch den Spirit) , Qinchuan Lan und Judith Österreicher (auch in der Rolle der Second Woman und Second Witch zu hören). Alle harmonierten stimmlich hervorragend mit- und untereinander.
Insgesamt eine sehr überzeugende und beeindruckende Aufführung dieses fast 330 Jahre alten, auch musikhistorisch bedeutenden Werkes des, wie Mozart, sehr früh verstorbenen, englischen Komponisten.
Bei Vaughan Williams -Riders to the Sea-(von 1937) war Iva Krusic als Maurya der nächste Höhepunkt des Abend; auch sie bestach mit einer einzigartigen Stimmfarbe, einem guten Stimmsitz und einer berührenden, gesanglichen Rollenausdeutung. Sophie Reuter als Nora war ebenfalls in bestechender Form. Freja Sandkamm oblag es nun, gesanglich eine deutliche Trennung zwischen der Rolle der Cathleen in diesem Werk und der zuvor interpretierten Dido herauszuarbeiten, was darstellerisch sehr gut gelang. Die von der stimmlichen Ausrichtung her, charakteristischen Unterschiede beider Rollen hätten, trotz einer hervorragenden gesanglichen Leistung, noch etwas besser herausgearbeitet werden können: Die Stimme klang in beiden Rollen zu ähnlich. In der Rolle des Bartley hatte Seokwon Oh  erneut mit der englischen Diktion zu kämpfen. Ascelina Klee  gab in dieser Oper „A woman“. Als Chor glänzten hier: Anna Becker, Pia Hansen, Yukine Kawase, Judith Österreicher, Lisa Schmalz, Cheng Xuebin und Jingyi Yan, denen es auch hier bestens gelang, als stimmliche Einheit zu überzeugen. Die Ertrunkenen (bezogen auf’s Heute von erschreckender Aktualität) wurden von Songyan He, Dustin Drosdziok, Laurence Kalaidjian und Qinchuan Lan dargestellt. Williem Wentzel gelang es, mit den Symphonikern Hamburgs die charakteristischen Unterschiede in der Musik beider Komponisten trefflich herauszuarbeiten.
Es war ein kurzweiliger, erfrischender Abend. Ein Besuch lohnt sich hier auf jeden Fall. Sein Hinweis auf den tragischerweise verstorbenen und auf Grund seiner herausragenden musikalischen Leistungen (nicht nur als jahrelanger Chefdirigent der Symponiker Hamburg) vielen in ewiger Erinnerung bleibende Jeffrey Tate, kam leider akkustisch bei vielen im Publikum nicht  an.
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Opernexperte
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