Georg Friedrich Händel: Ariodante (Elbphilharmonie 14.05.2017)

Gleich zweimal innerhalb kürzester Zeit wurde diese doch eher selten aufgeführte Oper gegeben. Nachdem das Theater Lübeck dieses Werk in einer hervorragenden Besetzung szenisch aufgeführt hatte (Premiere am 28.4.2017), folgte am 14.5. die Elbphilharmonie mit einer konzertanten Interpretation. Harry Bicket, der auch am Cembalo aktiv war und The English Concert, sorgten an diesem Abend für einen exzellenten Händelklang. Die für die erkrankte Joice di Donato einspringende Alice Coote lief in ihrem Lamento im zweiten Akt zu einer selten zu erlebenden Höchstform auf. Die Art und Weise, wie sie diese Arie mit feinsten Koloraturen und Piani geradezu zelebrierte, bekommt man nicht alle Tage zu hören. Gleiches wiederholte sie dann in ihrer großen Arie im dritten Akt. Christiane Karg gab mit ihrem edlen Sopran eine grandiose Ginevra; mit ihren perlenden Koloraturen und ihrem silbrigen Klang, war sie schlichtweg phantastich. Mary Bevan, die der Verfasser seinen Lesern schon des öfteren ans Herz gelegt hat, gab eine großartige Dalinda. David Portillo, ein eher lyrischer Tenor mit einer leicht ansprechenden Höhe und einer hervorragenden Koloraturtechnik, gab einen überzeugenden Lurcanio. Sonia Prina war im ersten Akt brilliant, jedoch, je länger man ihrer Stimme lauschte, kristallisierte sich dann doch heraus, dass ihr Ausdrucksspektrum bei aller vokalen Brillianz weniger weit gefächert ist. Durch ihre enorme Bühnenpräsenz und ihre teilweise etwas (gewollt) grotesk komisch anmutenden Koloraturen, zog sie die Zuhörer dieses Abends in ihren Bann. Gepackt lauschte der nahezu ausverkaufte Saal der hohen Kunst, die an diesem Abend insgesamt zelebriert wurde, zumindest bis zum Ende des zweiten Aktes; nach der 2. Pause, gegen 23 Uhr zum dritten Akt, war der Saal dann halb leer. Viele waren in ihrer Furcht vor einem sehr späten Ende der Vorstellung und der bevorstehenden  Nachtruhe des HVV abgereist. Hier wurde das etwas unsensible Handeln der Veranstalter, eine mit zwei Pausen ausgestattete, insgesamt vierstündige Händeloper an einem Sonntag um 20 Uhr beginnen zu lassen zum Verhängnis und die Leidtragenden waren die Künstler des Abends, die dann vor halbleeren Rängen weiter spielen und singen mußten. An einem Sonntag wäre es durchaus angebracht, ein derartig langes Werk schon um 18 Uhr, wenn nicht sogar um 16 Uhr beginnen zu lassen, oder aber, wie in Lübeck, nur eine Pause einzulegen.
Dennoch: ein grandioser Abend, der noch lange in Erinnerung bleiben wird!

 

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Opernexperte
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