Johann Sebastian Bach: Johannes Passion (Minkowski; Warner / Cleobury; Choir of Kings College;Note 1 / Temple; Chandos, Note 1)

Gleich dreimal beglücken uns verschiedene Verlage mit einer Neu- Veröffentlichung von Bachs‘ Meisterwerk, der Johannes Passion.
Schon der Eingangschoral: Herr … reißt den Zuhörer unter der Leitung von Mark Minkowski mit den Les musiciens du Louvre aus dem Gestühl. So gepackt wird man gleich zu Beginn dieser Passion leider nicht in jeder Produktion dieses Werkes. Lothar Odinius schlüpft als Evangelist in die Rolle des Erzählers; eine gute Leistung. Christian Immler ist hier als Jesus mit seiner hervorragenden, ebenmäßigen Stimme auch eher ein Sänger, der die Leiden des Jesus in erster Linie vermittelt. Ditte Anderson und Lenneke Ruiten überzeugen in ihren Sopranarien. Delphine Galou ist eine der großen Pluspunkte in dieser Produktion; ihr gelingt eine hervorragende  Ausformung der Alt-Arien. Ein weiterer Höhepunkt ist der Countertenor David Hansen, der schon vor Jahren mit einer Solo- CD auf sich aufmerksam machte; einfach phantastisch. In weiteren Rollen hören wir die Tenöre Colin Balzer und Valerio Contalto und den Bass York Felix Speer. Leider kann die gleich zu Beginn grandios aufgebaute Innenspannung nicht durchgehend gehalten werden.
Verglichen mit der obengenannten Einspielung ist in der Produktion mit dem Choir of Kings College, Cambridge, der Eingangschor Herr…, eher oratorienhaft, denn mitreißend angelegt, obwohl der charakteristische Bachklang getroffen wird. Stephen Cleobury, mit seiner Academy of Ancient Music, gelingt eine beeindruckende Werkinterpretation. Auch hier ist die Besetzung handverlesen. James Gilchrist gestaltet die Rolle des Evangelist eher aus der Perspektive des Erzählers und Neal Davies als Christus interpretiert  den Leidensweg eher berichtend denn empfunden, beiden wirken eher etwas unbeteiligt, die gesangliche Ausformung kommt daher hier etwas zu kurz. Sophie Bevan besticht mit ihrem wundervollen Sopran in den Arien. Der Countertenor Iestyn Davies ist in seinen Arienausdeutungen hervorragend und auch der Bass Roderick Williams ist schlichtweg beeindruckend. Desweiteren hören wir Ed Lyon in den Tenorarien, Benedict Kearns als Petrus und Toby Ward als Servus. Eine schlüssige Ausdeutung dieses Werkes, die etwas mehr Innenspannung hätte vertragen können.
David Temple mit dem Crouch and Festival Chorus und der Bach Camerata legen eine schlüssige Johannes Passion in englischer Sprache vor (wie man es bei Chandos kaum anders erwartet hat). Auch hier hätte der Eingangschor: Herr… ruhig etwas mitreißender klingen können. Robert Murray als Evangelist ist hier ebenfalls eher in der Rolle des Erzählers zu erleben und auch bei diesem Jesus, gesungen von Ashley Riches, wird der Leidensweg eher vermittelt. Erneut dürfen wir uns in dieser Produktion wieder über die Sopranistin Sophie Bevan freuen. Der Countertenor in dieser Produktion ist mit Robin Blaze, hervorragend besetzt. Desweiteren sind zu hören der Tenor Benjamin Hulett und der Bass Neal Davies.
Advertisements

Über godenrath

Opernexperte
Dieser Beitrag wurde unter a. Recitel, a. Recitel veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s