Telemann – The Collection (Harnoncourt, Pahud, Brüggen, Berliner Barock Solisten, Roberta Alexander, Cora Canne-Meijer (Warner)

Während der Zeit als Radiomoderator kam der Verfasser mit einem Hamburger Kirchenmusiker über G.P.Telemann ins Gespräch und darüber, wie unerschlossen sein Werk bis zum heutigen Tag eigentlich ist und dass etliche seiner Kompositionen wohl für immer verloren sein werden. Umso erstaunlicher hier auch das jahrelange Versagen der Hamburger Kulturbehörde, die augenscheinlich kein Interesse daran zu haben scheint, diesen großartigen Komponisten und sein Wirken in Hamburg (ähnlich wie bei Hasse) in den Vordergrund zu stellen. Wien ist da mit Mozart, Budapest mit Bartok und Leipzig mit Bach entschieden weiter. Beim bedeutenden Barockkomponisten G.P. Telemann, der in Hamburg immerhin 46 Jahre wirkte und dort vor 250 Jahren am 25.6.1767 verstarb, scheint von städtischer Seite kein sonderliches Interesse an einer angemessenen Würdigung zu bestehen. So bleibt es den Musikverlagen überlassen, an den 250. Todestag dieses Ausnahmekomponisten zu erinnern.
Warner hat hier den entscheidenden Schritt in die richtige Richtung unternommen und eine langerwartete Telemann Edition, die 13 CDs umfaßt, veröffentlicht. Diese Edition ist gespickt mit wegweisenden Interpretationen seiner Werke. Wie zum Beispiel die in den Jahren 1967 und 1980 veröffentlichten 6 Darmstadt- Overtüren, die auf 2 CDs mit dem Concentus Musicus Wien unter der kundigen Leitung von Nikolaus Harnoncourt, dem es hier gelingt, nicht nur Fans dieser Musikgattung mit einem in sich geschlossenen, transparenten und vor allem spannenden Orchesterklang zu begeistern. Alice Harnouncourt hören wir an der Solovioline. Bei der Ouvertüre for 2 violins, viola, 2 recorders hören wir mit Franz Brüggen und Jeanette van Wingeden zwei Meister ihres Faches. Eine Wiederbegegnung mit Frantz Brüggen gibt es dann bei den großartig interpretierten Tafelmusiken mit dem Concerto Amsterdam, das mit Gustav Leonhard am Cembalo verstärkt wird. Auf den  CDs 3 und 4, dann die Concertos, wiederum mit Nicolaus Harnoncourt und dem Concentus Musicus Wien. Grandios, wie, es z. B. Sergei Nakariakov versteht, mit seinem einfühlsamen Spiel auf der Trompete bei den Concertos TWV 51:f1 und TWV 53: D2 zu begeistern. Auf der 5. CD besticht der Violinvirtuose und Dirigent Rainer Kussmaul mit den Berliner Barock Solisten mit seinem einfühlsamen und zugleich virtuosen Spiel. Auch die Freunde der Kammermusik kommen hier auf der CD Nr. 10 voll auf ihre Kosten, wenn sich Kees Boeke (treble, recorder), Walter van Hauwe (treble, recorder), Han de Vries (Oboe), Alice Harnouncourt (Violine, violine piccolo), Wouter Möller (Violoncello) und Bob van Asperen (harpsichord) den Trio Sonaten und Quartten dieses Komponisten annehmen und diese Musik, fein ausgeformt dem Hörer näher bringen. Schließlich dann das wundervolle Vokalwerk -Der Tag des Gerichts- mit der Altistin Cora-Canne-Meijer, die heute leider viel zu wenig bekannt ist, (zuletzt wurde sie mit einer 4er CD Edition geehrt). Desweiteren zu hören: Gertraud Landwehr-Herrman (Sopran), Kurt Equiluz ( Tenor ) und Max von Egmond (Bass) mit dem Monteverdi Chor Hamburg (Jürgen Jürgens), und dem Concentus Musicus Wien unter der Leitung von Nikolaus Harnoncourt. Mit viel Liebe werden hier musikalische Details herausgearbeitet und das Ganze auch noch spannend verpackt. Die Cantate TWV 20:41, bildet mit der Sopranistin Roberta Alexander und ihrem grandiosen, leicht dunklen, warmen und flexiblen Sopran einen der absoluten Höhepunkte dieser Collection. Grandios, wie sie das Werk gestaltet und sie dürfte sicherlich auch Zuhörer begeistern, die dieser Musikgattung bisher nicht so zugetan waren. Das Finale dieser Edition ist (die auch am Allee- Theater in Hamburg aufgeführte) Oper -Pimpinone- oder -Die ungleiche Heyrath- mit Uta Spreckelsen als Vespetta und Siegmund Nimsgern als Pimpinone mit dem Ensemble Florilegium Musicum unter der Leitung von Hans Ludwig Hirsch. Hier hätten die musikalischen Pointen ruhig etwas expliziter herausgerarbeitet werden können.
Mit dieser gelungenen Edition wird den Freunden von Telemann und solchen, die es werden wollen, eine beeindruckende Chance geboten, sich mit dem Werk und vor allem der Vielseitigkeit dieses Komponisten intensiver auseinander zusetzen.
Advertisements

Über godenrath

Opernexperte
Dieser Beitrag wurde unter 01. Allgemeines, b. Opern veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s