Johann Sebastian Bach: Johannes-Passion BWV 245 (St.Nikolai am Klosterstern, 14.04.2017)

Die Hambuger Camerata, unter der Leitung von Matthias Hoffmann-Borggrefe, bereitete an diesem späten Nachmittag einen großartigen Klangteppich aus. Der Kantorei St. Nicolai fand schon gleich im Eingangschor den Tonfall, um die Charakteristik dieser Musik optimal herauszuarbeiten und das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Die Tenorstimme von Wolfgang Klose besitzt einen speziellen, eigenen Klang, der ihn auch für Mozartrollen (Tamino, Belmonte) qualifizieren würde. Die mitreißende Art, in welcher er den Rezitativen und Arien einen eigenen Klangcharakter verlieh, war schlichtweg  grandios. Dieses Jubeln und diese Begeisterung hörte der Verfasser von anderen Interpreten in der Rolle des Evangelisten eher seltener, da diese die Partie eher „erzählerisch“ vermitteln. Wolfgang Klose hingegen, hat die Rolle und die Gefühle dieses Charakters eher vorgelebt; es war keine Vermittlung, sondern die Botschaft einer eigenen Erfahrung. David Czismar (Bariton) als Jesus hingegen, war dann als direkter Kontrast, eher in die Rolle des Vermittlers geschlüpft. Verzierungen gelangen tadellos; manches hätte etwas lebendiger interpretiert werden können. Schade, dass die Sopranistin Bettina Pahn hier nur zwei große Arien zu singen hat. Mit ihrem wundervollen, silbrigen, charaktervollen Stimmtimbre war sie grandios. Bei der Mezzosopranistin Juliane Sandberger fühlte sich der Verfasser ein wenig an die sakralen Interpretationen von Marga Höffgen erinnert; auch ihr gelang eine großartige, glaubwürdige Rollenausdeutung. Matthias Lüberitz als Pilatus klang zu Beginn weniger mitreißend, auch wollte manche Noten nicht ganz so klingen, wie geplant; erst in den letzten beiden Arien lief er zur Höchstform auf.
Eine großartige Johannes Passion- Interpretation, die auch auf Tonträgern, dank des Dirigates, des Orchesters, des Chores und der Solisten, insbesondere des Tenors, kaum bezwingender zu erleben ist.
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