Gaetano Donizetti: L’Elisir d’amore (Hamburg, 02.04.2017)

Gregor Bühl und dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg, gelang an diesem Abend in der Staatsoper ein eher von Melancholie gezeichnetes Klangbild, das gleich zu Beginn bei einem leicht düster anmutenden, dramatischen Grundton, ein wenig an Tristan und Isolde erinnerte. (Wohl auf den Inhalt der ersten Arie Adinas‘ hinweisend). Überhaupt wählte Gregor Bühl eher getragenere Tempi. Valentina Nafornita, (Im Jahresprogramm war noch Christina Gansch angegeben), die diese Rolle auch schon in Wien mit großem Erfolg gesungen hatte, war gesanglich überragend. Mit ihrer gut durchgebildeten Höhe, ihrem Charme und ihrem silbrigen Timbre in der Höhe, gelang ihr ein überzeugendes Rollenporträt als Adina, auch dank ihres musikalischen Einfühlungsvermögens. Leider war sie darstellerisch etwas schwach, was wohl einer zu kurzen Probe zuzurechnen ist, da sie die Rolle in Wien (Liegt auf DVD vor) deutlich expressiver interpretierte. Dovlet Nurgeldiyev spielte anfangs einen eher schüchternen und zurückhaltenden Nemorino, doch mit  steigendem „Alkoholpegel“ mutierte er zum eleganten Kater, der mehr und mehr sein Objekt der Begierde zu umkreisen verstand, bis er seine Beute dann zum Ende doch noch „erlegen“ konnte. In dieser Rolle konnte er wiederum die ganze Palette seines schauspielerischen Könnens ausspielen, vom komödiantischen bis zum tief tragischen. Er war erheiternd und berührend zugleich. Gesanglich bestach der Tenor durch seine eleganten Phrasierungskünste und seinem musikalischen Einfühlungsvermögen, welche es ihm ermöglichten, die verschiedenen Facetten dieser Rolle bravourös umzusetzen: eine beeindruckende Leistung. Seine letzte große Arie „Una furtiva lagrima“ gestaltete er eher zurückhaltend insichgekehrt und daher eher „gradlinig“. Diese Interpretation harmonierte allerdings optimal mit der gesamten Charakteristik, mit der er diese Rolle zum Leben erweckte. Eine exaltierte Arieninterpretation, wie man sie öfter hört, wäre hier weniger stimmig gewesen. Kartal Karagedik war als Belcore, bedingt durch seine  Bühnenpräsenz, hervorragend; da verzieh man ihm gern einmal die eine oder andere weniger perfekt ausgeformte Verzierung. Narea Son als Gianetta bestach durch ihren Charme und ihr natürliches, komödiantisches Talent und vor allem durch ihren wunderbaren, ebenmäßigen, silbrigen Stimmklang: eine großartige Rolleninterpretation einer jungen Sängerin, die bestimmt eine große Zukunft haben wird.  Tigran Martirossian war als Dulcamara an diesem Abend leider weniger bezwingend.  Die komödiantischen Effekte wirkten aufgesetzt und daher leider weniger überzeugend. Dieses traf auch bzw. gerade auf die Passagen zu, in denen er ganz bewußt „falsch“ sang. Der Chor der Hamburgischen Staatsoper war wie immer herausragend.
Im Großen und Ganzen ein grandioser Abend.
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