Giacomo Puccini: Tosca (Hamburg, 21.03.2017)

Es gibt kaum eine Oper, die der Verfasser häufiger, sowohl auf Ton-und Bildträgern (etwas über 200 Tonträger), als auch auf diversen Bühnen im In- und Ausland persönlich erleben durfte, als dieses Ausnahmewerk von Puccini, auch oft an der Staatsoper Hamburg. Nach keiner Aufführung ergab sich ein so zwiespältiger, wenn nicht sogar ärgerlicher Eindruck.
Um mit dem Positiven zu beginnen: Mit Tatiana Serjan hatte man eine Tosca der Extraklasse verpflichten können. Sie trumpfte mit einer großen, runden und perfekt geführten Stimme auf. Ihr gelangen hinreißende , einfühlsame Momente, grandiose Spitzentöne und umwerfend dramatische Ausbrüche: schlichtweg sensationell. Massimo Giordano als Cavaradossi sang an diesem Abend überaus konzentriert und ihm gelangen sehr überzeugende Passagen mit markanten Spitzentönen. Auch darstellerisch ein beeindruckendes Rollenporträt. Ambrogio Maestri war als Scarpia phänomenal. Wie majestätisch und mit zurückgenommenem, geradezu lyrischem Klang seines mächtigen Baritons er seinen Auftritt im 1. Akt zelebrierte, war eine Klasse für sich, nahezu einzigartig. Im 2. Akt lief er dann mit diesem „Stimmmaterial“ zur Höchstform auf. Alexander Roslavets sang den Sagrestano überzeugend mit schöner Stimme.
Auf der Negativseite fiel erneut die schwache Besetzung der Nebenrollen auf. Bruno Vargas war als Angelotti absolut indiskutabel. Dennis Velev als Sciarrono machte eine gute Figur, war aber gesanglich nicht in Form. Peter Galliard klang als Spoletta überaltert. Marta Swiderska in der Rolle als junger Hirte klang wie „ein alter Hirte“. Rainer Böddeker als Un Carceriere konnte ebenfalls nicht überzeugen. Der Verfasser hatte schon wiederholt bemängelt, dass Nebenrollen seit der Spielzeit 2015/16, also seit dem Wechsel der Leitung des Hauses, nicht so besetzt werden, wie es der Staatsoper bei ihrem Rang zu wünschen wäre. Während dieses Zeitraumes waren großartige Solisten in überzeugenden Produktionen zu erleben, aber die Besetzung/Leistung der Nebenrollen waren oft kontraproduktiv. An der Oper Lübeck und Frankfurt ist zu erleben, wie dieses diesbezüglich mit einer etwas „glücklichere Hand“ praktiziert wird.
Waren die Leistungen der Dirigenten der vom Verfasser besuchten, zahlreichen Aufführungen in diesem Zeitraum überwiegend hervorragend, war der Klang des Orchesters an diesem Abend über weite Strecken indiskutabel. Lag es am Dirigenten Renato Palumbo, der an sich einen guten Ruf genießt oder an der schwachen Form des Orchesters? Mitunter war das Klangbild langatmig, eher undifferenziert und ein bißchen langweilig und uninspiriert (z.B. beim Schlußduett im 3. Akt), an manchen Stellen viel zu schnell ( z.B. beim Vissi d’arte). Nur in wenigen Sequenzen stellte sich ein puccinitypischer Klang ein.
Nicht jeder Abend kann zu einem rundum gelungenen Fest werden; zumindest die Solisten der Hauptrollen konnten an diesem einiges zum Guten wenden.
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Opernexperte
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