Giuseppe Verdi: Macbeth Wien: 12/2016, Keenlyside, Serafin, Park, de Leon; Pido (DVD, Premiere Opera)

Leider mal wieder eine jener in den letzten Jahren typischen Aufführungen der Wiener Staatsoper. Der Chor kling stellenweise so als würde er einem Valium Rausch ( Ende des 1. Aktes) anheim gefallen sein und auch dem Orchester unter der Leitung von Evelino Pido mangelt es vor lauter Wohlklang  stellenweise an der nötigen Innenspannung. Erst im dritten Akt klingt das Orchester energiegeladen.  Evelino Pido  ist  leider kein zweiter Riccardo Muti, der in diesem Werk wirklich brilliant ist,  geschweige denn ein zweiter Georg Manahan (Mitschnitt aus der New York City Opera liegt vor) der eine vor Innenspannung überbrodelnde  Interpretation vorlegte, die Maßstäbe gesetzt hat. Die Schlafwandelszene des 4. Aktes wird leider im Eiltempo ohne Sinn und Verstand für die musikalischen Feinheiten heruntergespielt. Martina Serafin bietet eine überzeugende Lady Macbeth, Verzierungen werden gut bewältigt, vielleicht könnte die Stimme in manchen Passagen etwas mehr Wärme und Charme vertragen. Dennoch zeichnen sich viele Sequenzen durch eine ergreifend klingen Intensität aus. Simon Keenlyside hat seit seinem Macbeth in London, neben der grandiosen Liudmyla Monastyrska (DVD wurde vom Verfasser besprochen) unter der Leitung von Antonio Pappano, an Ausdruckskraft und Intensität dazugewonnen. In dieser Produktion gelingt ihm ein durchgehend gelungenes Rollenporträt. Jongmin Park ist mit seinem eleganten Baß in der Rolle des Banco einfach hervorragend. Jorge de Leon gibt einen befriedigenden, leider aber keinen umwerfenden Macduff, dafür ist seine musikalische Leistung nicht konstant genug. Etwas weniger Tränendrüsenfeeling wäre an manchen  Stellen einfach angebrachter gewesen. Zwischen dem dritten und vierten Akt hat Verdi einen selten aufgeführte Hustensinfonie acapella für das Publikum komponiert um längere Umbaupausen zu überbrücken. Diese wird leider viel zu selten in dieser Intensität den Freunden der klassischen Musik zu Gehör gebracht.

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