Hector Berlioz: Les Troyens (Hamburg, 14.02.2017)

Der Orchesterklang des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg unter der Leitung von Kent Nagano war an diesem Abend ergreifender als bei der Premiere am 19.09.2015. Es war die 14. Vorstellung und leider hat man seit dem etwas, aber leider noch nicht genug dazugelernt. War schon in der Premiere Torsten Kerl als Enee aufgrund seiner mangelnden Höhe und seines nasalen Timbres eine Fehlbesetzung, so hat sich daran auch knapp 2 Jahre später wenig geändert. Wenn er auch trotz einer angekündigten  Indisposition in der Mittellage besser klang, als noch in der Premiere, so scheiterte er auch diesmal komplett, weil er einfach nicht die tenorale Höhe und die entsprechende Ausdrucksskala hat. Kartal Karagedik als Chorébe, Vladimir Baykov als Narbal und Bernhard Richter als Hylas waren hier kaum besser: enge Höhe, uncharmant und/ oder zu undifferenziert. Markus Nykänen hingegen, war als Iopas schlichtweg grandios; leicht anspringende Höhe, großartiges Stimmtimbre: eine beeindruckende Leistung; schade, dass seine Soloarie im zweiten Teil so kurz ist. Heather Engebretson als Ascagne war ebenfalls sensationell. Bei Anna Markarova, einer russischen Sopranistin, die für Catherine Naglestad einsprang, wurde schon nach den ersten Sekunden klar, dass man an diesem Abend etwas ganz besonderes erleben würde. Ein großer, runder, voller Sopranklang, majestätisch und mit einer imposanten Höhe, verbunden mit einer enormen Bühnenpersönlichkeit: grandios. Elena Zhidkova war als Didon mit ihrem sinnlich betörenden Timbre wieder einmal phantastisch. Katja Pieweck, eine der führenden Ortrud Interpretinnen weltweilt (hat sich wohl leider noch nicht bis zur neuen Intendanz herumgesprochen, da sie kaum noch in großen Rollen zu erleben ist) war als Anna mit ihrem runden, klangschönen, warmen Mezzo ebenfalls grandios. Catrin Striebeck als trauernde Witwe Andromaque, die sich relativ schnell mit einem anderen tröstet, war darstellerisch etwas „overtop“; man wollte sich am liebsten beschämt abwenden, da man hier als Zuschauer in die unangenehme Rolle eines Voyeurs gedrängt wurde. Schade, dass die Rolle von Zak Kariithi als Un chef grec so kurz ist. Von diesem überaus begabten jungen Sänger möchte man unbedingt mehr hören. Gesamtbetrachtet haben die Damen den Abend gesanglich gerettet und zu einem unvergleichlichen Erlebnis gemacht, auch in Verbindung mit einem wunderbar „französischen“, orchestralen Klang dieser einzigartigen Partitur und der beeindruckenden Leistung des Chores, der wieder einmal seine beständige Qualität unter Beweis stellte

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