Gaetano Donizetti: Anna Bolena (Hamburg, Allee Theater in Altona 10.02.2017)

Die 4 Aufführungen dieses Werkes, Anna Bolena von Gaetano Donizetti, im Hamburger Allee Theater in Altona erfolgen konzertant mit Klavierbegleitung. Es wird sowohl in deutsch, bei der Konversation der Akteure unter einander, sowie in italienisch, wenn es darum geht Gedanken und Gefühle musikalisch auszudrücken, gesungen. Durch den Abend führt der bekannte Komponist Mathias Husmann (u a. Dame mit Noten), kurzweilig und amüsant. Im Hintergrund werden auf einer Leinwand u. a. Porträts von Anna Bolena, Heinrich VIII und Jane Seymour eingeblendet, sowie ein Bild des Towers von London. Mathias Husmann wird auch überwiegend am Klavier zu erleben sein, sein Spiel begeistert sofort. Das Klavier singt, die Noten klingen gebunden so dass das fehlende Orchester gar nicht weiter ins Gewicht fiel. Der Dirigent Ettore Prandi, welcher neben ihm am Klavier saß,  übernahm dieses immer dann, wenn Mathias Husmann erzählerisch die Handlung näher um- und beschrieb. Letitia Vitelaru in der Titelrolle fühlt sich hörbar im italienischen eher zu Hause, wie im deutschen, wo so einige sprachliche Eigenheiten auffielen. Koloraturen werden hervorragend ausgeformt, die Stimme als solche ist jedoch eher lyrisch, denn jugendlich dramatisch (Youtube bietet hier drei Arien an). Ein schöner runder Stimmklang, sowohl im Piano wie auch in den dramatischeren Ausbrüchen. Sie erinnerte den Verfasser ein wenig an Teresa Zylis Gara, welche sich der Rolle auch eher lyrisch angenähert hatte. Beim Duett im zweiten Teil mit Feline Knabe als Jane Seymour zeigen sich dann aber doch schon die Unterschiede, denn hier wirkt die Kammerzofe der Königin Jane Seymour vom musikalischen Ausdruck her eher wie die amtierende Königin und letztere eher wie die Kammerzofe. Feline Knabe’s satter, dunkler, erotischer Mezzo überzeugt mit seiner Geläufigkeit und den dramatischen Ausbrüchen, sowohl auf deutsch, wie auch auf im italienisch, eine grandiose stimmliche Leistung. Sie singt in dieser Produktion neben der Jane Seymour auch den Smeton. Gheorghe Vlad als Lord Richard Percy besitzt eine beeindruckende Höhe. Seine Tenorstimme klingt eher charakteristisch und könnte stellenweise etwas mehr Charme entwickeln. Hongyu Chen wirkte als Lord Rochefort im ersten Teil etwas blässlich, im zweiten Teil wurde der junge Bariton dann deutlich besser. Titus Witt ist immer dann am Besten, wenn er Rollen wie diese charakteristisch mit Leben ausfüllen kann. Ihm gelingt als Heinrich VIII eine beeindruckende Charakterstudie, die nicht nur von seiner Stimme, sondern auch von seinem schauspielerischem Talent und seiner Mimik enorm belebt wurde. Ein kurzweiliger Abend mit einer interessanten Fassung eines Werkes, welches in Hamburg viel zu selten aufgeführt wird.

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