Great American Orchestras (11 DVDs,Warner)

Diese grandiose DVD Box beinhaltet Aufnahmen mit dem Boston Symphony Orchestra, dem Chicago Symphony Orchestra, dem New York Philharmonic, dem The Cleveland Orchestra und dem The Philadelphia Orchestra unter den Dirigenten Daniel Barenboim, Leonard Bernstein, Pierre Boulez, Lorin Maazel, Fanz Welser-Möst, Eugene Ormandy und Sir Georg Solti.
Auf der ersten DVD erklingt ein Konzert mit dem Chicago Symphony Orchestra vom 25-27 April 2000 aus der Kölner Phiharmonie unter der Leitung von Daniel Barenboim, der mit diesem Orchester auch einige CD Produktionen eingespielt hat. Dieses Konzert beginnt mit einer modernen Komposition, den Notations I-IV von Pierre Boulez welche vom Klangcharakter her, sich an der europäischen Moderne orientieren. Gefolgt von Claude Debussys La Mer. In der nachfolgenden Komposition von Manuel de Falla: El sombere de tres picos läßt Daniel Barenboim das gesamte Flair spanischen Lebensgefühls in einer übersprudelnden, vielfarbigen Orchesterdeutung lebendig werden. Mitreißend und energiegeladen zieht einem dieses Werk auf die Kante des Sitzmöbels. Elisabete Matos mit ihrer typisch spanisch timbrierten Stimme, etwas rau und stellenweise etwas weniger galant versteht es dennoch, diese Musik treffend auszudeuten. Als Zugabe gibt es noch eine schmissige Interpretation von El firulete von José Carli.
Die zweite DVD mit dem Boston Symphony Orchestra, unter der Leitung von Leonard Bernstein, beginnt mit der 2. Sinfonie von Johannes Brahms. Leonard Bernstein war und wird immer ein „Unikat“ bleiben; seine mitreißende Art, mit der er es verstand, Menschen für klassische Musik zu begeistern, ist unvergleichlich. Er gab bei allem, was er tat, immer alles; mit vollem Körpereinsatz warf er sich förmlich in die Musik und das erlebt man bei jedem seiner Werke, die er entweder für die CD eingespielt hat oder aber auch im Konzert, oder bei seinen Lehrveranstaltungen, die z.T. auch fürs Fernsehen aufgenommen worden sind. Die Musik klingt spannend und energiegeladen. Die Violinen klingen pointiert und haben einen leicht angeraut wirkenden Klang. Die Bläser ertönen etwas fokussierter, um nicht zu sagen, schärfer. Ein grandioses Klangbild, das wir auch in seiner Interpretation der 4. Sinfonie von Johannes Brahms erleben können. Dieses Konzert wurde im August 1972 in Tanglewood mitgeschnitten.
Die dritte DVD, ebenfalls mit dem Boston Symphony Orchestra unter der Leitung von Leonard Bernstein, beeinhaltet ein am 26.07.1976 in der Symphony Hall in Boston mitgeschnittenes Konzert mit Franz Lizsts A Faust Symphony S.108. Grandios und spannungsgeladen mit einer, so hat es den Eindruck, kaum zu zügelnden Energie, ohne dabei die Feinheiten und dynamischen Abstufungen außer acht zu lassen, stürzen sich Leonard Bernstein und die Bostoner in die Musik. Der Tenor Kenneth Riegel liefert dabei eine überzeugende Charakterstudie.
Auf der vierten DVD dann Pierre Boulez mit der Lulu Suite von Alban Berg und einer großartigen Christine Schäfer, gefolgt von Claude Debussys Le Jet d’eau und 3 Ballades de Francois Villon. Ein weiterer Höhepunkt dann der Feuervogel von Igor Stravinsky: mitreißend und energiegeladen mit flottem Tempo gespielt. Das Chicago Symphony Orchestra entfaltete dabei einen grandiosen Klangteppich.
Auf der 5. DVD dann Lorin Maazel mit dem New York Philharmonic. Das Vorspiel zum dritten Aufzug von Wagners Lohengrin erklang überaus flott aber leider doch etwas oberflächlich. Grandios, hingegen dann die Interpretation von Dvoraks 9.- Aus der neuen Welt-: transparenter Orchesterklang und auch hier wählte Lorin Maazel ein eher vorwärtsdrängendes Tempo. Ebenfalls hervorragend, die Interpretation von Gershwins An American in Paris, Bizet’s Farandole aus L’Arlesienne Suite Nr. 2, Bernsteins Candide Ouvertüre und als energiegeladenen Abschluß  gab es dann Arirang, ein Traditional welches von Sung-Hwan Choi arrangiert wurde.
Auf den DVDs 7-9 werden wir dann Zeuge der außergewöhnlichen Interpretationskunst von Eugene Ormandy. Zuerst in dem wunderbaren Violinenkonzert von Peter I. Tschaikovsky, in welchem Itzhak Perlman eine großartige, differenzierte und packende Deutung dieses Werkes liefert, gefolgt von den Bildern einer Ausstellung, die magisch gefangen nehmen und ihren phänomenalen Höhepunkt im- Großen Tor von Kiew- finden, mitgeschnitten in Philhadelphia 1979. Von 1977 dann der Feuervogel von Igor Stravinsky, gefolgt von der 2. Sinfonie von Sergei Rachmaninov. Auch hier gelingt es Eugene Ormandy, die unterschiedlichen Merkmale dieser Musik deutlich zu machen. Auf der 9. DVD dann Holst’s Planeten und auch hier fasziniert einmal mehr die große Kunst Eugene Ormandys, wie er die Hörer immer wieder in andere Welten entführt. Abgerundet schließlich von Claude Debussys La mer.
Auf der 10. DVD dann die zupackenden, spannenden Interpretationen von Beethovens 1. Sinfonie und einer grandios mitreißenden 6. Sinfonie von Franz Schubert, die man ganz selten in dieser Form serviert bekommt. Abgeschlossen wird das ganze dann von Schuberts 8., bei welcher man gebannt lauscht, von der ersten, bis zur letzten Note. Es spielt das Chicago Symphony Orchestra vom 05.09.1978 aus der Royal Albert Hall in London.
Abgeschlossen wird diese Box mit Bruckners 9. unter der Leitung von Franz Welser Möst und dem The Cleveland Orchestra. Hatte Franz Welser Möst die Wiener Philharmoniker während seiner Amtszeit in Wien  mehr oder weniger in ein Schoßhündchen verwandelt, mit wenig Biss und leider auch etwas langweiligem Orchestersound, so ist bei dieser 9. von Bruckner davon wenig zu spüren; hier geht es zur Sache, eine sehr gelungene Interpretation, mitgeschnitten am 31.10. 2007 im großen Musikvereinssaal in Wien.

Eine grandiose Edition mit Interpretationen großartiger Orchester und Dirigenten aus einer überwiegend lange zurückliegenden Epoche fulminanter Einspielungen

 

 

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Opernexperte
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