Fritz Wunderlich: Große Erfolge & Raritäten 50 CDs (Documents)

Die auf 50 CDs angelegte Box umfasst folgende Einspielungen mit Fritz Wunderlich: Mozarts Große Messe, Auszüge aus die- Schweigsame Frau- von Richard Strauss, Auszüge aus der Fledermaus unter der Leitung Hans Müller Kray, Verdis Messa da Requiem (Hans Müller Kray), Die schöne Müllerin (Karl-Heinz Stolze), Egks Furchtlosigkeit und Wohlwollen, Haydns Schöpfung (Auszüge mit Bernhard Haitink), Bruckners Te Deum (Herbert von Karajan), Telemanns Warum verstellst du die Gebärden (Wolfgang Langenbeck), Bachs Ich hatte viel Bekümmernis (Marcel Couraud) , Es ist euch gut, das ich hingehe, Halt im Gedächnis Jesum Christ (beide Karl Richter), Weihnachtsoratorium (August Langenbeck)), das Oster-Oratorium (Couraud), Beethovens Christus am Ölberge (Henk Spruit), Schuberts Messe Nr. 6 (Erich Leinsdorf), Haydns Paukenmesse (Joseph Messner) und Theresienmesse (Ernst Schwarzmaier), Bachs Messe in H-Moll (Hans Grischkat), die Johannes Passion (Theodor Egel), Händels Messiahs (Heinz Mende). Ferner Opern-und Operettenarien, Lieder und Schlager. Zudem wird Fritz Wunderlich hier auch noch in seiner Eigenschaft als Trompeter hervorgehoben (CD 18). Diese Box stellt die Vielseitigkeit dieses viel zu früh verstorbenen Ausnahmesängers unter Beweis und bestätigt zudem seinen hohen Stellenwert und Rang in der Welt der bedeutenden Tenöre, da er das Talent besaß, schon in jungen Jahren sich in so unterschiedlichen Genres adäquat zurecht zufinden. Ob in der Oper, im Oratorium, in der Operette oder auch bei populären Gesängen, sei es Wiener Lieder, Schlager oder Volksmusiken: Fritz Wunderlich blieb bei allem, was er tat, immer authentisch. Aufgesetztheit oder gewolltes, schlagerhaftes Anbiedern war ihm selbst bei gefälligerer Musik fremd. Einer der Gründe, warum seine Aufnahmen selbst in der heutigen Zeit noch modern klingen. Sie sind frei von jeglichen Modeerscheinungen, was die Phrasierung anbelangt; frei von Manierismen, frei von überflüssigem (Tenor)- Schmalz. Der Name Fritz Wunderlich kann daher weniger als Name, sondern schon fast als Marke bezeichnen werden, denn sie steht für Kontinuität und ist somit ein in allen Belangen gleichbleibendes Qualitätsmerkmal; eine Legende ist er allemal. Auch die Auswahl der Dirigenten und Sänger waren, selbst wenn man hin und wieder leichte Einwände bei eher instrumental geführten Stimmen von „Mitsängern“ erheben könnte, so waren diese Sänger mit der zu interpretierenden Musik stets emotional verbunden (Oratorien) und stehen somit für eine Qualität, die heute bei manchen Aufführungen und Einspielungen, z.B. bei Oratorien nur noch schwerlich erreicht werden kann. In den darauffolgenden Absätzen wirft der Verfasser einen Blick auf die Kollegen: Sänger, Sängerinnen, Dirigenten und Orchester, mit denen Fritz Wunderlich im Laufe seiner kurzen aber ungemein produktiven Karriere zusammengearbeitet hat.
Gleich auf der ersten CD wird Fritz Wunderlich mit einer seiner Paraderollen, dem Tamino vorgestellt. Allein von der Bildnisarie werden 4 verschiedene Versionen angeboten, die sich nur in kleinen Details unterscheiden aber von großem Interesse sein dürften.
Im Mozart Requiem von 1958 unter der Leitung von Hans Müller-Kray finden sowohl das Sinfonieorchester des Süddeutschen Rundfunks, sowie auch dessen Chor, gleich den richtigen Tonfall. Otto von Rohr’s dunkler, eleganter, volltönender Baß gestattet ihm eine hervorragende Interpretation. Ira Malaniuk findet ähnlich, wie auch Agnes Giebel (Sopran) den richtigen, beseelten Tonfall; beide Stimmen harmonieren hervorragend miteinander.
Bei der Mozart Messe aus dem Jahre 1957, ebenfalls unter der Leitung von Hans Müller Kray mit dem Chor und dem Sinfonieorchester des Süddeutschen Rundfunks, sind beide wiederum grandios. Agnes Giebel und Valerie Bak (Sopran) harmonieren auch in dieser Produktion stimmlich hervorragend miteinander (gleiches gilt bei beiden auch für die Bildung der Koloraturen) verbunden mit einem beseelten Klang.
Bei den Fledermausauszügen (07.08.1956) sticht vor allem Anita Fahberg als Rosalinde hervor. Rita Bartos als Adele singt mit viel Charme und Heinz Maria Lins klingt charmant und vor allem eher prägnant. Hans Müller Kray leitet in dieser Produktion das Sinfonieorchester des Süddeutschen Rundfunks .
In Verdis Messa da Requiem finden das Sinfonieorchester des Süddeutschen Rundfunks unter der Leitung von Hans Müller Kray ein eher getragenes Tempo, wobei die Innenspannung im Piano etwas leidet. Gottlob Fricks dunkler, tiefer Bass besticht ebenso wie Marga Höffgen, die neben Hertha Töpper, zu den herausragenden Interpretinnen dieses Faches zählt. Maria Stader ist auch hier in bestechend guter Form.
Werner Egks Furchtlosigkeit und Wohlwollen ( in der 2. Fassung von 1959, aufgenommen 1960) mit dem Sinfonie- Orchester des Bayrischen Rundfunks  unter der Leitung von Istvan Kertesz, wird getragen von einem Chor, der leicht und unbeschwert und dennoch rhythmisch prägnant klingt. Der Orchesterklang mit teilweise kurzem, scharf geführten Bogenstrich, mutet moderat modern an.
Die Auszüge aus der Schöpfung mit dem Radio Filharmonisch Orkest, Hilversum unter der Leitung von Bernhard Haitink werden getragen vom schwungvoll singenden Groot Omroepkoor und durch eine, vom Dirigenten erzeugte  Innenspannung.
Herbert von Karajan und die Wiener Philharmoniker finden einen spannungsgeladen Orchesklang für Bruckner’s Te Deum. Die Besetzung ist mit Leontyne Price, Hilde Rössl-Majdan und Walter Berry handverlesen und perfekt aufeinander abgestimmt. Der Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde Wien klingt grandios.
Bei Bachs“ Ich hatte viel Bekümmernis“ findet Friederike Sailer, trotz ihrer eher instumental geführten Stimme, den richtigen Tonfall. Für den lyrischen Bariton Robert Titze, für den bei der Stimmfarbe das gleiche gilt, klingt hingegen etwas blaß. Hanne Münch (Alt) trifft exakt den richtigen Tonfall. Es spielt und singt das Ensemble vocal et istrumental de Stuttgart unter der Leitung von Marcel Couraud. In den beiden Bachkantaten -Es ist euch gut das ich hingehe und Halt im Gedächnis Jesum Christ-, ist der Münchner Bachchor einfach sensationell. Karl Richter und das Kammerorchester sorgen für einen bestechenden Klangteppich. Lilan Beningsen (Alt) und Kieth Engen (Bass) runden diese grandiose Einspielung ab.
Das Weihnachtsoratorium aus dem Jahre 1955 mit dem  Sinfonieorchester des Süddeutschen Rundfunks unter der Leitung von August Langenbeck, sorgen für einen feierlichen Klangteppich. Die Stuttgarter Hymnus Chorknaben klingen grandios. Der Mezzo von Erika Winkler klingt eher dunkel und ist gut platziert. Friedericke Sailer singt etwas instrumental. Hannes Swedberg wirkt etwas unstet.
Das Osteroratorium mit dem L‘ Ensemble vocal et istrumental de Stuttgart unter der Leitung von Marcel Couraud klingt  hevorragend. Die Stimmen von Friedericke Sailer und Margarethe Bence sind perfekt aufeinander abgestimmt

Beethovens -Christus auf dem Ölberge- zählt interpretatorisch mit der wundervollen Erna Spoorenberger (Silbriger Sopranklang mit hervorragend ausgeführten Koloraturen) und dem auch im Liedfach bestechend singenden Hermann Schey, und natürlich mit einem grandiosen Fritz Wunderlich, unter der Leitung von Henk Spruit mit dem Radio Filharmonisch Orkest Hilversum, zu den Höhepunkten dieser Box.

Ebenfalls grandios: die Aufnahme der Schubert Messe Nr. 6 mit Erich Leinsdorf am Pult, Pilar Lorengar (Sopran), Betty Allen (Alt), Manfred Schmidt (Tenor) und Josef Greindl (Baß) mit den Berliner Philharmonikern und dem Chor der St. Hedwig-Kathedrale Berlin.
Die Paukenmesse von Joseph Haydn besticht vor allem durch den von Josef Messner zurückgenommenen, eher verhalten singenden Salzburger Domchor. Laurence Dutoits Sopran ist hell und lyrisch mit einem einnehmenden, individuellen Timbre. Gertrude Pinzigers Alt- Stimme formt die Koloraturen mit ihrem dunklen, berückenden Timbre adäquat aus. Franz Pacher singt die Basspartie. Es spielt das Mozarteum Orchester.
Bei der Theresienmesse aus dem Jahre 1962 mit dem Chor und Orchester des Collegiums Musicum Regensburg unter der Leitung von Ernst Schwarzmaier, finden sowohl der Chor, wie auch das Orchester gleich den richtigen Tonfall. Lotte Schädles virtuos, aber instrumental geführte Stimme, kommt in dieser Produktion bestens zur Geltung. Lilian Beningsen klingt großartig, ebenso wie Kieth Engen (Bass).
Das Orchester des 35. Deutschen Bachfestes unter der Leitung von Hans Gritschka, klingt grandios, leider nur musiziert der schwäbische Singkreis weniger ergreifend. Die Stimmen von Friedericke Sailer, Margarethe Bence, Erich Wenk und Fritz Wunderlich harmonieren hervorragend miteinander.
Bei der Johannes- Passion handelt es sich einmal mehr um einen ganz großen Wurf. Das Rundfunkorchester des Südwestfunks unter der Leitung von Theodor Egel und dem Freiburger Bach-Chor sind in bestechend guter Form. Das gleiche gilt für die Solisten, Agnes Giebel, Marga Höffgen, Hans Joachim Rotzsch (instrumental geführte Stimme mit einem weniger charmanten Stimmklang) sowie Horst Günter und Heinz Rehfuß.
Auch der Messiahs mit dem Sinfonieorchester des Süddeutschen Rundfunks unter der Leitung von Heinz Mende und dem Philharmonsichen Chor Stuttgart musizieren hervorragend. Margarethe Bence verdeutlich hier einmal mehr, wie ein beseelter Klang sich anzuhören hat. Tilla Briems eher dunkler Sopran besticht hier genauso wie Otto von Rohr’s gut geführter Bass. Ebenfalls eine großartige Produktion.
In dieser Box sind so viele historische Schätze vorhanden; sie alle zu erwähnen würde den Rahmen sprengen. Diese Edition nimmt jede Hörerin und jeden Hörer mit auf eine Zeitreise, die noch von historischen Klangbildern geprägt ist. Dies ist in der heutigen Zeit dennoch, oder vielleicht auch gerade deshalb so spannend, weil die, in dieser Box enthaltenen Einspielungen, in einer Zeit enstanden (1950/60er Jahre), zu der noch grandiose Sängerinnen, Sänger und Dirigenten der alten Schule zur Verfügung standen, die auch aufgrund ihrer Ausbildung ein noch traditionelleres Verhältnis zu dieser oft sakralen Musikwelt hatten, als heute vermittelt wird. In dieser illustren, der Vergangenheit angehörenden Künstlerschar war, wie eingangs besonders hervorgehoben, Fritz Wunderlich ein herausragender Interpret und eine tragende Säule so vieler Einspielungen. Eine überwältigende Edition von musikhistorischem Wert.

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