Richard Strauss: Ariadne auf Naxos (Lübeck, 02.10.2016)

Das Bühnenbild zeigte zu Beginn ein auf einen Vorhang projiziertes Wohnzimmer im Stile zu Zeiten Richard Strauss. Der Haushofmeister, genial interpretiert von Steffen Kubach, ruhte, während er, zeitgemäß  ausgedrückt, beim „snacken“ war, auf einer Art Sofa frei schwebend in der Luft. Der Orchesterklang im Vorspiel unter der Leitung von Ryusuke Numajiri war hektisch, unruhig und vor allem wollte sich kein idealer Straussklang ergeben. Im 1.(und einzigem) Akt der Oper wurde es dann deutlich besser. Gerard Quinn gab einen hervorragenden Musiklehrer. Wioletta Hebrowska ging stellenweise gesanglich an ihre Grenzen; ein gutes Rollenporträt, das leider durch die weniger gute Leistung des Dirigenten in Mitleidenschaft gezogen wurde. Der inhaltsbedingten, sehr verständlichen Echauffiertheit des Komponisten über die von ihm erwartete Änderung seines Werkes, hätte ein ruhiger, strausstypischer Gegenpol im Orchesterklang gesetzt werden müssen. Das, was jedoch insgesamt im Vorspiel zu hören war, ging in einer allgemeinen Hektik unter. Daniel Jenz gab einen hervorragenden Tanzmeister. Gabriele Scherer war eine großartige Ariadne: voller runder Stimmklang, brilliante Höhe und sie traf genau den richtigen Tonfall für die Rolle. Emma McNairy war mit ihrer kokketten, silbrigen, brillianten und virtuosen Stimme eine grandiose Zerbinetta. Die drei Circen, Andrea Stadel als Najade, Annette Hörte als Dryade und Evmorfia Metaxaki als Echo waren sowohl in ihrer Interpretation wie auch in der Engführung der Stimmen hervorragend. Das Quartett um Zerbinetta, Johan Hyungbong Choi als Harlekin, Manuel Günther (sollte Besuchern der Hamburgischen Staatsoper noch in bester Erinnerung sein) als Scaramuccio, Taras Konoshchenko als Truffaldin und Raphael Pauß als Brighella waren mit ihren neckischen Spielchen und ihrer perfekt aufeinander abgestimmten, vokalen Interaktionen hervorragend. Mark McConnell, ein eher dramatischer Tenor, bewältigte die enorm herausfordernde Partie des Bacchus mit all ihren Tücken auch in der Höhe mühelos. Der zweite Teil war, wie schon erwähnt, dann im Orchester wesentlich besser; hier traf das Philharmonische Orchester der Hansestadt Lübeck mit ihrem Dirigenten Ryusuke Numajiri den richtigen Straussklang. Zum Ende schwebte ein Bett vom Himmel, in welchem Ariadne, die sich zuvor die Pulsadern aufgeschnitten hatte, sanft entschlummerte. Gesamtbetrachtet dann doch ein gelungener Abend, auch getragen von einer überzeugenden Inszenierung.
Zu der grandiosen Besetzung der Ariadne und der Zerbinetta kann man dem Theater Lübeck nur gratulieren!

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Opernexperte
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