György Ligeti: Le grand Macabre ( Blue-ray, Arthaus Musik)

Der Orchesterklang, der hier von Michael Boder und das Symphonie Orchestra des Grand Theatre del Liceu in Szene gesetzt wird, ist überaus bezwingend. Die Musik fällt alles andere als „leicht verdaulich“ ins Ohr; man muß sich in diesem Falle schon auf sie einlassen wollen. Das ganze Werk stellt eine Groteske über zum Teil auch sexuelle Vorlieben dar, die in einen Weltuntergangskontext gesetzt werden und die unterschwellige Botschaft verbreitet: egal was da kommen wird, lebe dein Leben, so wie es dir lebenswert erscheint. Chris Merrit hat hier den Schritt vom Belcanto- zum Charaktertenor vollzogen; es gibt keine zusammenhängenden Melodien; die zu singenden Tonintervalle umfassen nahezu den gesamten Tonumfang eines Tenors bis hin zu baritonalen Tiefen. Werner von Mechelen als  Nekrotzar hat in seiner Rolle sowohl Sprech- wie auch Gesangspassagen  die von der Tiefe eines Basses bis in die mittlere, baritonale Tonebene hineinreichen. Nach dem Auftritt von Ines Moraleda (Amando) und Ana Puche (Amanda) -ein liebestolles Paar-, wird die Musik etwas harmonischer. Niang Liang’s Rolle der Domina (Mescalina) reicht ebenfalls vom Sprechgesang bis zu einer Gesangsebene, die man als harmonisch bezeichen kann. Frode Olsen als Astrodamors, in zartes Rosa gehüllt, ist aufregender angezogen, als sein Gesang bzw. die Rolle musikalisch hergibt. Die Rolle der Barbara Hannigan als Gepopo besteht größtenteils aus grotesk anmutenden Staccato Koloraturen. Brian Asawa als Prinz Go-Go hat auch teilweise diese staccatohaft anmutenden Koloraturen zu singen; ansonsten bewegt sich seine Rolle als einzige überwiegend auf einer melodiösen Gesangslinie. Ein Chor hat zum Ende des dritten Aktes immer wieder den gleichen Satz im immer schelleren Tempo zu singen. In einer trunkenen Szene scheint auch die Musik vom Alkohol nicht ganz unbeeindruckt gewesen zu sein. Das gesamte Werk ist eine hoch amüsante, musikalische Groteske. Wer bereit ist, sich für diese zu öffnen, wird sich bestens unterhalten fühlen. Bei soviel Leben auf der Bühne kommt während dieser ca. 2-stündigen Aufführungsdauer zu keiner Sekunde Langeweile auf.

 

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Opernexperte
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