Georg Petrou (Dirigent)

Händel: Orest
Bei diesem Werk bediente sich Händel einer Technik, die später u.a. auch von Rossini angewandt wurde. Zugkräftige Szenen wurden durch Überarbeitungen und Anpassungen in einen neuen Kontext gesetzt. Hier wurde mal eben eine Zeitspanne von 27 Jahren vereinigt. Etwas, was wir heute auch aus der Welt der leichteren Musik kennen: ein Medley der größten Hits wird zu einem 10- minütigen Titel in teilweise aktuellerem, musikalischen Gewand, zu Gehör gebracht.
Georg Petrou, einer der mittlerweile besten Händel Dirigenten und die Camerata Stuttgart bieten einen Händel-Klangteppich wie er erregender und spannender, aber auch detailfreudiger kaum sein kann. Kurzum: Händel, so wie man ihn heute serviert bekommen möchte. Die Besetzung ist in sich geschlossen und handverlesen; die Stimmen klingen nach dem Who is Who der Händel-Diskographie. Mary Ellen Nesi (Mezzosopran), ist als Oreste schlichtweg phantastisch; tolle Koloraturläufe einhergehend mit einer einzigartigen, die Ohren umschmeichelnden Klangfarbe. Maria Mitsopoulou (Sopran) als Ermione hat zwar einen silbrig schimmernden, runden und in der Höhe brillianten Stimmklang, leider nur klingen manche Koloraturläufe etwas verschwommen und hätten besser ausgeformt werden müssen. Petros Magoulas (Bass) als Toante klingt ausgesprochen gut. Antonis Koroneos (Tenor) als Pilade besitzt eine hervorragende, flexible Stimme und eine brilliante, leicht anspringende Höhe. Der Countertenor Nicholas Spanos besitzt eine im positiven Sinne auffallende Stimmfarbe; Koloraturen werden perfekt ausgeformt.
Händel: Giulio Cesare
Unter der Leitung von George Petrou gelingt dem Orchestra of Patras ein grandios anmutender Orchesterklang. Kristina Hammarström in der Rolle des Caesar ist mit ihrem dunklen Mezzoklang und ihrer Stimmkontrolle einfach überwältigend. Koloraturen werden hochpräzise ausgeformt. Irini Karaianni’s Einfühlungsvermögen  und ihr berührendes Stimmtimbre, einhergehend mit  einer sicheren  Gesangstechnik und der pefekten Bildung der Koloraturen ist einfach hervorragend. Mary-Ellen Nesi ist auch in dieser Produktion (siehe Orest) unschlagbar. Emanuela Gatti ist zu Beginn sehr souverän; erst ab der Arie „V’adoro pupille“ kommt sie richtig aus sich heraus. Romina Basso als Tolomeo besitzt ein betörendes, dunkles Stimmtimbre  mit einer brillianten Höhe; Koloraturen werden meisterhaft bewältigt. Tassis Christoyannis als Archilla hat einen einschmeichelnden Stimmklang und einen prägnannten Gesangsstil bei sehr guter Geläufigkeit der Stimme. Ebenfalls grandios ist Nikos Spanatis (Countertenor) als Nireno.
Händel: Alessandro Severo
Auch hier hat sich Händel wiederum des Kunstgriffes bedient, zugkräftige Nummern aus anderen Werken zu einer neuen Oper zusammenzufügen.
Auch in dieser Produktion stechen Kristina Hammarström als Giulia mit  ihrem unnachahmlichen, dunklen Timbre und ihrer sicheren Koloraturtechnik und Mary-Ellen Nesi als Alessandro mit ihrer ausgeglichen wirkenden Virtuosität hervor. George Petrou und das Armonia Atenea liefern hierfür einen grandiosen Klangteppich. Irini Karaianni (Mezzosopran ) als Albina begeistert einmal mehr mit ihren perfekt ausgeführten Koloraturen und ihrem herrlichen Stimmtimbre. Marita Solberg als Salustia formt mit ihrem gut gebildeten Sopran Koloraturen geschmackssicher aus.
Niccolo Manzaro: Don Crepuscolo
Christophporos Stamboglis (Bass) meistert die Koloraturen dieser Partie bravourös.
Händel: Arianna in Creta
Zu damaliger Zeit wurde dieser Stoff von nahezu allen Komponisten, die etwas auf sich hielten, vertont. Es ging dabei auch darum, welcher Komponist wohl am ehesten die Herzen der Zuhörer im Sturm zu erobern verstand. Viele dieser Werke sind bis zum heutige Tage leider wieder in der Versenkung verschwunden.
George Petrou und das Orchestra of Patras leisten auch hier einmal mehr eine grandiose Leistung, um dieses Werk zum Leben zu erwecken. Marita Paparizou als Tauride mit ihrem samtig aber auch dramatisch anmutenden Mezzo überzeugt vor allem in den dramatischen Ausbrüchen; die Koloraturen werden gut geformt. Irini Karaianni formt auch hier ihre Koloraturen wieder einmal mehr überaus geschmackvoll aus.  Mata Katsuli in der Titelpartie gelingt eine gefühlvolle und auch geschmackssicher klingende Interpretation mit dynamischen Abstufungen in den Arien: grandios. Mary-Ellen Nesi als Teseo setzt ihre Koloraturen überaus pointiert; diese werden in großartiger Manier virtuos ausgeführt: gefühlvoll gesungen ohne dabei gefühlig zu wirken.Theodora Baka’s Alceste klingt lyrisch und hat einen eher helleren Mezzo; auch ihr gelingt ein treffendes Rollenporträt.

Händel: Tamerlano

Die Geschichte eines Hirtenjungen der sich zum Emir ausrufen ließ und nachdem er die Türken vollständig besiegte, etwas wovon die EU( Junker und Merkel ) auf diplomatischem Wege nur noch zu träumen wagen,  den Sultan Bajazet gefangen nahm und sich mit ihm eindringliche Auseinandersetzungen lieferte.

Nicholas Spano (Countertenor) als Tamerlano; grandioses Timbre, Koloraturen werden geschmackssicher und perfekt ausgeführt. Mary-Ellen Nesi als Andronico führt mit ihrem warmen Mezzo wiederum geschmackssicher und perfekt die Koloraturen aus. Mata Katsuli als Asteria gelingt mit ihrem charmanten, warmen Sopran ein gelungenes Rollenporträt. Irini Karaianni (Mezzo) als Irene ist auch hier mit ihren Koloraturläufen, was deren Ausformung anbelangt, bravourös. Tassis Christoyannis (Bariton) hat eine Stimme mit einer beeindruckenden Virtuosität; Koloraturen werden auch von ihm geschmackssicher ausgeformt.

 

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Opernexperte
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