Nikolaus Harnoncourt Opera Collection: Fidelio / Freischütz / Genoveva ( Blue-ray; Arthaus Musik )

Ludwig van Beethoven: Fidelio (Zürich 2004)

Schon die Ouvertüre unter der Leitung von Nikolaus Harnoncourt ließ aufhorchen; der einmal aufgenommene Spannungsbogen blieb während der gesamten Werkausdeutung erhalten. Laszlo Polgar beeindruckte durch sein differenziertes Rollenporträt und die elegante Phrasierung; eine der besten Interpretationen, die es gibt. Elisabeth Rae Magnuson gab mit ihrem zarten, lyrischen Sopran eine berückende Marzelline. Camilla  Nylund klang zu Beginn vielleicht einen Hauch zu lyrisch für diese Rolle. Ihrem großen Ausbruch „Töt erst sein Weib“ fehlte es dann aber doch nicht an der nötigen Intensität, obgleich ihre Arie „Abscheulicher….“ dann doch etwas mehr dramatischen Ausdruck hätte vertragen können. Jonas Kaufmann, vielleicht einer der besten Sänger dieser Rolle seit Julius Patzak und Jon Vickers, lieferte eine bezwingende Rolleninterpretation. Dem Beginn der Arie „Gott, welch dunkel hier“ , gab er ein erschütterndes Klangbild. Alfred Muff besaß die nötige dramatische Intention für den Don Pizarro. Günther Groissböck als Don Fernando und Christoph Strehl als Jacquino rundeten dieses harmonische Ensemble bestens ab. Der einzige Schwachpunkt fand sich dann in der Besetzung des ersten Gefangenen durch Boguslaw Bidzinski; so sollte man diese Rolle besser nicht singen.

Carl Maria von Weber: Der Freischütz (Zürich 1999)

Die Ouvertüre unter der Leitung von Nikolaus Harnoncourt hat zwar eine enorme Innenspannung, wird aber stellenweise bis zur Unkenntlichkeit verändert; dennoch klingt es nicht uninteressant. Leider ist Volker Vogel als Kilian keine große Bereicherung. Werner Gröschel als Kuno ist da schon eine Klasse besser. Matti Salminen’s Interpretation der Rolle des Kaspar hingegen ist einfach überragend. Gesanglich stellt er alle mit seinem dämonisch und gleichzeitig aber verführerisch klingenden Bass in den Schatten. Schon gleich in seiner ersten Arie werden ganz klar die Fronten abgesteckt.  Peter Seiffert ist zwar von der Stimme her rollendeckend, klingt aber  zu Beginn etwas langatmig und sieht zudem eher aus wie der klassisch-bebrillte Buchhaltertyp.  Auch seine große Arie beginnt er eher uninspiriert. Es gibt zwar dynamische Abstufungen und er gestaltet diese auch sehr differenziert; richtig spannend wird es dann aber erst bei „…hilft kein Gott… bzw. …foltert Spott..“. Marlin Hartelius besticht als Ännchen mit ihrem warmen Sopran. Inga Nielsen’s Stimme klingt zu Beginn etwas uncharmant, steigert sich aber dann. Gerade in ihrer ersten großen Arie „Wie nahte mir der Schlummer“ läuft sie zur Höchstform auf. Ihre Stimme gewinnt plötzlich an Wärme und Charme. Sie gestaltet die Arie überaus differenziert, man könnte hier auch schon davon reden, daß diese  von ihr zelebriert wird. Die Bühne wurde von Ruth Berghaus eher schlicht gehalten und wird von unterschiedlichen Farben illuminiert.

Robert Schumann: Genoveva (Zürich 2008)

Zupackend und energisch legt Nikolaus Harnoncourt die Ouvertüre an, verliert sich aber dann doch zeitweise durch eine übergenaue musikalische Interpretation. Dadurch bleibt dann die eingangs aufgebaute orchestrale Spannung etwas auf der Strecke. Das Bühnenbild ist weißlich und wird im späteren Verlauf durch rotes Blut farblich etwas aufgepeppt. Gesanglich hingegen, ist diese Produktion phantastisch. Juliane Banse, der auf ihrer Arien CD (Per amore) die dramatische Intention für die Rolle der gleichartigen Agathe fehlte, überzeugt als Genoveva stellenweise durch leicht dramatisch anmutende Töne, denn nur „zu schönes Singen“ kann für diese Rolle schädlich sein. Der Tenor Shawn Mathey ist vom Stimmklang her etwas weniger charmant, eine Charakteristik,  die der Rolle und somit ihrer Interpretation sehr gut bekommt. Die Stimme des Baritons Martin Gantner als Siegfried bietet  hier durch seinen charmanteren Stimmklang einen  positiven Kontrast. Ebenfalls bestechend gut sind Cornelia Kallisch als Margaretha und Afred Muff als Drago. Eine im Großen und Ganzen interessante und spannende Werkausdeutung.

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