Frauke Thalacker und Gints Racenis: Ein Shakespeareabend ( Hamburg im Speicher am Kaufhaus Kanal, 26.05.2016 )

Im nicht ganz ausverkauften Saal des Speichers am Kaufhauskanal in Hamburg Harburg, führte Henry C. Brinker charmant und kurzweilig, angereichert durch witzige Pointen gepaart mit interessanten, kleinen Geschichten, durch das vielseitige Programm. Es war dem 400. Todestag Shakespeare’s gewidmet und bestand aus verschiedenen Arien und Liedern, die in den Jahrhunderten danach auf der Basis seiner Texte viele Komponisten inspiriert haben.  Auch wenn die Stimme von Frauke Thalacker, der Sopranistin des Abends, in der Tiefe über etwas weniger Substanz verfügt, so ist sie in der Mittellage und vor allem in der Höhe überaus schallkräftig und brilliant, gestützt von einer sehr guten Atemtechnik. Zudem verfügt sie, wie sie in der Arie aus Hamlet: „A vos jeux mes amies“ bewies, über eine enorme Flexibilität und Koloraturgewandtheit. Traumwandlerisch meisterte die Stimme hier die schwierigsten Koloraturkaskaden. Der Abend begann mit der Arie „Je veux vivre“ aus Romeo et Juliette, der vielleicht ein klein wenig die Leichtigkeit und jugendliche Unbeschwertheit fehlte, die z.B.eine Bidu Sayao ausstrahlte. Weiter ging es dann mit der Arie „Come, all ye yongster of the sky“ von Henry Purcell, in deren Verlauf ihr Englisch vom britischen in einen Sprachmodus wechselte, der die Herkunft der Sängerin nicht verleugnen konnte. Auch Ihr Französisch hatte einen Touch, der ins Deutsche wies. Weiter ging es dann mit drei eher selten in einem Konzertsaal zu hörenden Stücken, dem Lied des Pagen aus „Viel Lärm um nichts“ von Erich Wolfgang Korngold und zwei Liedern von Moritz Eggert ( einem bedeutenden deutschen Komponisten der Moderne ), „Wide Unclasp their thoughts“ (einem Zitat vom Shakespeare) und einem humoristischen Lied über die heutige Zeit, immer und überall erreichbar sein zu müssen. Da kann es auch schon einmal passieren, dass das „I Phone“ (so der Name des Liedes) der Sängerin während dieses Liedvortrags klingelt, und diese mal eben schnell mitten im Stück, einen privaten Termin abklären muß. Nach der Pause ging es dann weiter mit „Nun eilt herbei“, der Arie der Frau Fluth aus „Die lustigen Weiber von Windsor“ von Otto Nicolai, einer weiteren Arie der Juliette, „Dieu, Quel frisson court dans mes veines“ von Ch. Gounod und zwei selten zu hörenden Arien der Katherina „Ich will mich keinem (er)geben“ und „Die Kraft versagt“ aus der „Widerspenstigen Zähmung“ von Hermann Goetz (zwei großartige CD Produktionen unter Karl Elmendorff mit Margarete Teschemacher aus dem Jahre 1944, und eine weitere unter Jopseph Keilberth mit Annelies Kupper aus dem Jahre 1955 liegen vor). Zum Abschluß gab es dann ihm Berliner Dialekt und Charme, die deutsche Variante des zuvor erwähnten Stückes des amerikanischen Komponisten  Cole Porter „Kiss Me Kate“. Das Lied „Schatz, ich liebe dich auf meine Weise“ wurde von der Künstlerin des Abends witzig und pointiert vorgetragen. Die Wiederholung dieses Liedes gestaltete Frauke Thalacker dann als „Liebererklärung“ an den Pianisten. Gints Racenis Begleitung war immer stimmungsvoll und einfühlsam,  auch wenn manche Anschläge etwas härter ausfielen; der Klavierklang war immer im Fluss. Ein überaus gelungener  Abend, der vom Publikum mit viel Applaus bedacht wurde. Solche Abende möchte man in diesem stimmungsvollen Ambiente gern öfter erleben.

 

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