Richard Wagner: Lohengrin ( Dresden 19.05.2016 )

Es wäre sicherlich übertrieben, diesen Abend als einen Totalausfall zu bezeichnen, denn einiges wenige war dann doch noch gelungen. Diese übertriebene Euphorie, die Manuel Brug, wer weiß, was dieser an diesem Abend wirklich gehört hat, ist gänzlich ungerechtfertigt. Man könnte diese in der Welt erschienen Kritik ( 21.05.2016 ) auch mit der Zeile:“ Willkommen in Manuels Fabelwelt, hier wird die Wahrheit so lange gebeugt bis sie stimmt“, betiteln. Die Erklärung hierfür liegt auf der Hand, und das macht die Sache um Manuel Brug so tragisch. Seine Halbwahrheiten sind so ungeschickt verpackt, daß deren Entlarvung, in diesem Falle wurde ihm mal wieder ein veröffentlichter Mitschnitt der Aufführung zum Verhängnis, in nahezu allen Fällen ein Kinderspiel ist. Natürlich klingt das Orchester, die Staatskapelle Dresden, brilliant und selbstverständlich sind auch Christian Thielemann hier keine wirklich schwerwiegenden handwerklichen Fehler unterlaufen. Das Problem mit den getragenen Tempi ist nur, wenn ich nicht gerade Hans Knappertsbusch oder Wilhelm Furwängler heiße, kann das sehr schnell in die Hose gehen. In diesem Falle war der gesamte Orchesterklang, bis auf wenig spannende und inspirierend mystisch klingende Momente, sterbenslangweilig. Anna Netrebko, endlich sang sie mal wieder mit ihrer natürlichen Stimme, klang berückend schön, leider wirkten die von ihr zelebrierten Texte aber etwas sinnentleert, weil sie kein Deutsch spricht, das ist bei Wagner tückisch. Pietro Beczala, wenn ihm auch dieser weltentrückte Stimmklang eines Ivan Kozlovsky, Josef Simandy, Lauritz Melchoir oder Klaus Florian Vogts fehlt, gestaltete seinen Lohengrin sehr überzeugend. Evelyn Herlitzius war zu keiner Sekunde vokal auf Linie. Sie, keifte und kreischte sich durch die gesamte Rolle. Von Gesang zu sprechen, ist in diesem Zusammenhang, bei noch so gutem Willen, nicht mehr möglich. Wie eine derartig drittklassige Sängerin, in so einem renommierten Haus, für diesem Abend engagiert werden konnte; ein Rätsel. Sängerinnen wie Petra Lang oder Katja Pieweck sind in dieser Rollen drei Klassen besser und vor allem auch fesselnder. Auch bei Tomascz Konienczys Telramund von Gesang zu sprechen fällt mir sichtlich schwer. Die Stimme, sie klang entweder wie ein Hirsch in der Brunftzeit oder aber dunkel und abgewrackt, als ob ein neunzig jähriger Sänger es hier nach 20 Jahren Pause noch einmal wissen wollte. In diesem Zusammenhang von einem Triumph zu schreiben, den tollsten 10 Opernvorstellungen eines Lebens, kurz um: Vom besten Lohengrin aller Zeiten. Wer so einen himmelschreienden Unsinn schreibt,  hat diese Oper wahrscheinlich noch nie richtig gehört, oder hat von Gesangskultur bzw. von Musik keinen blassen Schimmer. Es war stellenweise nett anzuhören, aber das Maß an Fehlbesetzungen wurde für diesen Abend deutlich überschritten. Hinzu kam noch eine Unpässlichkeit des Chores im ersten Akt, welcher an einer Stelle so unsauber sang, das es sich nach alles gröhlet durcheinander anhörte. Dieser Abend war wahrlich keine Sternstunde. Wäre die gleiche Aufführung, in der gleichen “ künstlerischen Qualität“, nur mit anderen Namen unter der Leitung von Simone Young in der Hamburgischen Staatsoper aufgeführt wurden, dann können Sie meine verehrten Leserinnen und Leser sich sicher sein, daß sich in diesem Zusammenhang Herr Burg und Herr Mischke einige gewesen wären.  Dann hätten sie in beiden Publikationen etwas lesen können, von einer zweit – wenn nicht sogar drittklassigen Aufführung. Der Verfasser hat in Hamburg in der letzten Zeit zwei verschiedene Lohengrinserien, eine unter Karen Kamensek und eine unter Simone Young mit Emma Bell als Elsa, erlebt. Da klapperte zu keiner Zeit der Keuschheitsgürtel. Der charmante Begriff „Best Ages“ traf hier ebenfalls nicht zu und vor allem, beide Serien klangen, was den Orchesterklang anbelangt,  wesentlich spannender.

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