Giuseppe Verdi: Attila ( Theater Lübeck, d. 21.05.2016)

Diese Inszenierung von Peter Konwitschny lief bereits 2013 im Theater an der Wien. Die Publikumsreaktion dort war geteilt; in Lübeck gab es einhellig Bravos für den angereisten Regisseur. Zur Erinnerung: Der 1.Akt spielt in einem Kindergarten, es findet gerade ein Kostümfest statt und die lieben Kleinen kommen zum Teil auf Tretrollern herein. Odabella wird dann später in einem kleinen Handziehwagen über und von der Bühne gerollt. Beim Festbankett sind wir dann in der Erwachsenenwelt angekommen und vor den Augen der Gäste wird mit einigen singenden Damen Russisches Roulett gespielt; ca. ein Drittel überlebt nicht. Das Schlußbild, die bevorstehende Hochzeit, findet dann in einem Seniorenstift statt; alle merklich gealtert. Ezio im Rollstuhl, Foresto mit Rollator, Attila blind und auf Krücken und Odabella befindet sich ebenfalls im Rollstuhl. Zum Ende sterben alle:  Ezio, Attila und Foresto an Alterschwäche. Odabella hingegen erleidet mit einem Messer in der Hand, beim vergeblichen Versuch, Attila zu erstechen- sie kommt nur nicht mehr tief genug herunter- eine Herzattacke. Kurzum – ein großer Spaß -, zumal das ganze Libretto sich kaum an den  geschichtlichen  Attila anlehnt. Der Regisseur versteht es meisterhaft, die doch sehr blutrünstige Handlung zu aktualisieren unter dem Motto: So erschreckend ist die Welt im Allgemeinen und so geht es zwischen den Menschen zu, im Besonderen. Eine nahezu perfekte Personenregie sichern den Erfolg. Ernesto Morillo, der die Rolle bereits  2013 in der Arena di Verona sang, startete ein wenig schwach und rau in der Tongebung. Die lyrischen Töne waren weniger prägnant; die dramatischen hingegen waren fokussierter. Die Steigerung erfolgte recht schnell; eine großartige Rollendeutung, stimmlich bravourös umgesetzt. Auch Alexander James Edwards(Foresto) startete etwas schwach. Die Stimme war zu Beginn etwas zu verhalten, zu lyrisch. Aber auch hier erfolgte innerhalb kürzester Zeit eine Steigerung. Ezio, gesungen von Gerard Quinn war gleich zu Beginn gesanglich und auch darstellerisch voll da. Helena Dix’s Odabella Ausdeutung war superb; sie besitzt eine große dramatische ‚Stimme, die aber auch in der Lage ist, leise, zurückhaltende Töne anzustimmen. Sie war der gesangliche Höhepunkt des Abends, von der ersten bis zur letzten Note, grandios. Ihr steht sicherlich eine große internationale Karriere bevor und dem Theater Lübeck ist zu danken, diese Sängerin verpflichtet zu haben. In weiteren Rollen rundeten Hyungseok Lee als Uldino und Seokhoon Moon dieses glänzende Ensemble beeindruckend ab. Ein Opernabend, an dem zum wiederholten Male  alles stimmte. Der großartige, von einer glühenden Melodik und Rhythmik durchdrungene Orchesterklang unter der Leitung von Ryusuke Numajiri und die grandiose Leistung des verstärkten Chores, sind besonders hervorzuheben. Es war allen Beteiligten anzumerken, mit welcher Freude sie in dieser gelungenen Inszenierung ihren Beitrag leisten durften. Hier darf sich Hamburg nach dem heutigen Freischütz (22.05.2016) gern mal ein Beispiel nehmen, wie Opern richtig besetzt werden müssen.

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