Gioacchino Rossini: Sigismondo ( ARTHAUS; Blue-ray )

Das Theater ist ein Irrenhaus und die Oper ist die Abteilung für die unheilbaren Fälle. An dieses Zitat muß sich Damiano Michieletto erinnert gefühlt haben, als man ihm anbot, den von Wahn und Geistern der Vergangenheit (seiner vermeintlich untreuen Frau, die er ermorden ließ; natürlich lebt sie noch ) umzingelten König von Polen, bei Rossini heißt er Sigismondo, als Inszenierung plausibel zu verbildlichen. Grandios und auch etwas beängstigend wie Daniela Barcellona ihre Rolle, in einer Nervenheilanstalt angesiedelt, darstellerisch umsetzt und dabei alle an die Wand spielt. Einen absoluten Höhepunkt bildet hier das Duett zwischen Sigismondo und Aldimira aus dem 2.Akt „Tomba di morte e orrore“. Ergreifend wie Daniela Barcellona hier ihre Stärken auszuspielen  versteht. Ab „…Sospiri…“ gehen beide Stimmen in der Engführung ineinander auf. Ebenso musikalisch genial ist der schroffe Orchesterakkorde in der Scene zwischen Sigismondo und Ladiskao ( Antonino Siragusa ) kurz vor dem “ Vidi…. ah no che allor sognail“. Bei der hochkarätigen Besetzung des Radoski mit Enea Scala, bedauert man, das Rossini diese Rolle so vernachlässigt hat und sie nur als Stichwortgeber angelegt hat. Manuela Bisceglie  als Anagilda  brilliert in ihrer kurzen Arie „Sognava contenti“, wenn sie mit gezückter Waffe droht Aldimira zu erlegen. Ihre Stimme hat einen wundervollen ebenmäßigen Klang und zu dem besitzt sie ein einschmeichelndes Stimmtimbre. Warum sich Antonino Siragusa innerhalb kürzester Zeit in die erst Liga gesungen hat, wird einem bei dieser 2010 er Produktion wieder einmal verdeutlicht. Die Farbpalette seiner Stimme kommt zum einen in der Arie  O destin crudel“, so richtig dann aber, wenn er in dem cantabel angelegten “ Vorspann“ “ Misero mie“, um dann erst recht beim anschließenden 2. Teil seine beeindruckende Wandelbarkeit der Stimme…. beim „Giusto ciel che i mali miei“ unter Beweis zu stellen. Klingt Olga Peretyatkos Stimme schon bei der ersten Arie „O Tranquillo“ bemerkenswert, so kann sie im zweiten Akt in der Arie „Ah signor,“ von romantisch verliebt, bis hin zu einem leichten dramatischen Ausbruch über Koloraturläufe die ganze  Bandbreite ihres Könnens unter Beweis stellen. Im Quartett „Qual silenzio“ zog Rossini bei der Engführung aller vier Stimmen (Alimira, Sigismondo, Ladislao und Ulderico) alle Register seines Könnens. Grandios,  die dramatische Steigerung der Sänger mit dem Orchester beim anschließenden „Deh vola e questo seno “ Bravorös, das von Daniela Barcellona dominierte Trio „Ah se m’ami“, wo sie noch einmal alle Register ihrer Virtuosität in den schwierigen Koloraturläufen unter Beweis stellt.

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