Schubert/Zender: Winterreise; Ballett von John Neumeier ( Hamburg, d. 07.02.2016 )

Die kompositorische Umsetzung der zu Klavierbegleitung von Franz Schubert komponierten Winterreise, wurde von Hans Zender für Orchester ( auf CD liegt eine Fassung mit Hans Peter Blochwitz; Gesang vor ) wunderbar umgesetzt, denn er spiegelt den Charakter dieses Werkes und seine darin enthaltenen Empfindungen musikalisch hervorragend wieder. Dieses wurde an diesem Abend vom Philharmonischen Staatsorchester Hamburg unter der Leitung von Simon Hewett auch herausragend herausgearbeitet und detailgenau ausgeleuchtet. Der erste Schwachpunkt an diesem Abend war der Tenor Rainer Trost, langatmig und ohne Gespür für die Musik wurde dieser Liederzyklus geradezu heruntergeleiert. Natürlich besitzt Rainer Trost eine gute Tenorstimme und selbstverständlich will ich diesem Mann auch nicht absprechen, daß er singen kann. Aber ein inspirierender und im Detail feinsinnig herausarbeitender Liedersänger ist er beim besten Willen nicht. Wie es der Name schon vorweg nimmt, diese Lieder wurde trostlos und langatmig wiedergegeben. Die von John Neumeier herausgearbeitet Choreographie besaß wiedereinmal seine üblichen Scherze. Es wurde mal von einzelnen Personen, mal aber auch in Gruppen, mal mit mal ohne Koffer von links nach rechts oder von Quer nach schräg hektisch trampelnd über die Bühne gerannt. In hektischer Art und Weise ein ca. 5 Stufiger Tritt malträtiert, durch permanentes darauf herum Getrampel von einer einzelnen Tänzerin ca. 3-4 Minuten lang, beziehungsweise es waren wieder diese spastisches Hand und Fuß bzw. Beinverrenkungen zu sehen gewesen. Natürlich waren die tänzerisches Fähigkeiten von Aleix Martinez, der schließlich über einen hinreißenden Körperbau verfügt nett anzusehen und der junge Mann ist mit Sicherheit ein begnadeter Tänzer, ebenso wie Ivan Urban,beide bekamen  auch zu recht den lautesten Applaus, nur durch eklatante Schwächen in der Choreographie kam dieses leider nicht besonders positive zur Geltung. So genial die Umsetzung von John Neumeier, bei seiner Interpretation des Weihnachtsoratoriums war, so langweilig und völlig an der Thematik vorbei war hier seine Winterreise, die spannend und vielversprechend begann, aber sich schon nach 10 Minuten mangels Ideenreichtums verlor. Die Choreographie war sicherlich nicht die schlechteste, allerdings fragte man sich, und hier war ich nicht der einzige, außer dem Schnee,welcher um den Orchestergraben herum drapiert worden war, wo ist hier der Bezug zur Musik, zum Text. Mit einer anderen Musik, wäre dieses Ballett sicherlich deutlich schlüssiger gewesen, aber so war das leider aus meiner Sicht völlig am Thema vorbei. Wer  Hans Zenders Fassung der Winterreise mag und sich für Aleix Martinez und Ivan Urban als Tänzer begeistert sollte rein gehen. Wer allerdings Ballett als dramaturgisch schlüssigen Ausdruckstanz liebt, sollte es lieber bleiben lassen, denn der wird hier nicht auf seine Kosten kommen, da zwischen der Musik und dem was dem Auge dazu visuell geboten wird Welten liegen.

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Opernexperte
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