Carl Maria von Weber: Der Freischütz ( Hannover, d. 31.01.2016 )

Das viele Menschen heutzutage über die Servicewüste Deutschland klagen, erscheint zumindest was die Behandlung von Staatsoperngästen betrifft angemessen. Bekommt jeder Besucher in New York und San Francisco ganze Programmheft förmlich aufgenötigt, bekommt man auf Anfrage in Hamburg und Lübeck einen glücklicherweise einen Besetzungszettel gratis. Berlin, Hannover und Leipzig scheinen hingegen von Kundeservice bis heute noch nichts gehört zu haben, denn dort wird man mit 50 cent pro Blatt regelrecht abgezockt. Karen Kamensek scheint in Hamburg wahrscheinlich einiges gelernt zu haben, Service am Kunden gehört aber offensichtlich nicht dazu. Das Oper in der heutigen Zeit moderner wird und man gut daran tut sich im Vorfelde über Inszenierungen zu informieren, ist offenhörbar, ein Zuschauer meinte sich lauthals während der Aufführung über seine eigene Dummheit beklagen zu müssen, noch nicht bei allen angekommen.Hier nun war es leicht, zum einen gab eine Rundfunkübertragung, zum anderen ist diese Übertragung im Netz abrufbar und zu allen Überfluß besteht auch noch die Chance die CD käuflich zu erwerben. Außerdem wurde diese Inszenierung in der Presse ausführlich beworben, nicht zuletzt auch deswegen, weil sich einige Abgeordnete in Hannover dahingehend erblödeten, das sie allen ernstes  vorschlugen diese Inszenierung zu Zensieren. Glücklicherweise leben wir hier weder in der Türkei, noch in Russland oder dem Iran bzw. in Israel wo die Musik bestimmter deutscher Komponisten bis heute verpönt ist. In dieser Inszenierung wird z.B. die Kastration eines Mannes auf dem OP eingeblendet, Pigida Demonstranten und ein paar SS statt IS wandern durchs Bild. Über derartiges im einzelnen kann man sich natürlich öffentlich, insbesondere wenn man diese Produktion nicht komplett gesehen hat, unheimlich ereifern, muß man aber nicht. Diese Regiearbeit ist ein Gesamtkunstwerk und muß als solche ohne Zensur wahrgenommen werden. Hier steckt sehr viel Detailarbeit drin,  die man bei einem einzigen Besuch nur sehr schwer erfassen kann,weil sie sehr komplex ist. Samuiel hier umwerfend dargestellt von Eva Verena Müller, sie ist gleichzeitig auch die Regisseurin in dem Stück immer wieder greift sie in das laufende Stück mit Verbesserungsvorschlägen ein. So zum Beispiel ziemlich zum Schluß als Max versehentlich alle Anwesenden mit einem Maschinengewehr erlegt. So ginge das nicht, denn jetzt könne ja keiner mehr singen, hier muß was geändert werden. Agathe, nein, die darf nicht sterben, die brauche ich noch. Wie viel  Freikugeln wurden verschossen, richtig sechs ,eine haben wir also noch, also wen brauche ich in diesem Stück nicht mehr, wen könnte sie treffen?  Richtig Kaspar du bist Tod, du schleppst dich also halb sterbend zur Rampe, singst dort noch ein paar Noten und stirbst dann endgültig. Hilfe von Christian Thielemann gab es leider an anderer Stelle auch nicht, weil das vielleicht helfende Interview, wie uns die eingeblendete Internetseite verriet, für dieses Opernhaus nicht freigegeben war. Tobias Schnabel sang an diesem Abend einen fulminanten Kaspar und Athanasia Zöhrer war mit ihrem volltönenden Sopran als Ännchen der Höhepunkt des Abends. Erik Laporte bot einen schlank stimmigen Max (leider hingegen nicht von der Figur ) ohne die typischen Höhenprobleme die hier immer wieder mancher Heldentenor an den Tag legt. Kelly God sang eine wunderbare Agathe, die Arie und ob die Wolke habe ich Live selten besser gehört (in dem dazu eingeblendeten Video wurde sie gerade von zwei Zwergen geweckt und glitt dann leider in einer Spur, es sollte wohl Kot sein, mehrfach aus (das ganze sollte übrigens eine Traumsequenz darstellen ). Christopher Tonkins Stimme strahlte für die Rolle das Ottokar leider zu wenige Autorität aus und die Stimme des Eremiten, an diesem Abend gesungen von Shavley Armasi klang für meine Ohren hier etwas zu jung. Benjamin Reimers rundete mit tollen Tempi und einen wundervollen Orchesterklang diesen überaus kurzweiligen Abend ab.

Für Reklamationen für eventuell verkehrt wiedergegebene Namen, wenden Sie sich bitte an das Opernhaus Hannover. Ich bin nicht bereit, mir für das schreiben einer Kritik auch noch die mühevolle Kleinarbeit machen zu müssen, mir hier jeden Namen einzelnd heraus suchen zu müssen. Hier erwarte ich von den Häusern einen dementsprechenden Service.

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