Wolfgang A. Mozart: Figaros Hochzeit ( Hamburg, Allee Theater d. 08.11.2015 )

Bei einer deutschsprachigen Figaroproduktion bleibt es nicht aus, daß man automatisch an das legendäre Mozartensemble Wien zurück denkt, an Schwarzkopf, Ludwig, Berger, Seefried, Grümmer, della Casa, Lipp um jetzt nur einige Namen zu nennen. Danach wurde es internationaler sprich die Opern wurden auf italienisch gegeben, leider klangen aber etliche Aufführungen deswegen nicht besser. Vieles wurde leider mit vortschreitender  Zeit, Gardiner, Harnoncourt originaler selten aber origineller sondern eher langweiliger. Ganz und gar nicht langweilig war hier die Aufführung dieser Mozartoper im Allee Theater, mit einer vorwärts gewandten Inszenierung. Wobei auch hier beim Text mit geschickten Korrekturen keineswegs gespart wurde. Anders als in der legendären Sellas Verfilmung spielte dieser Figaro in den Abgründen der Modewelt. Wo sich Karl Lagerfeld, hier allerdings noch vor seinem Schlankheitswahn als Graf Almaviva die Ehre gibt. Ihm Untertan gewissermaßen Bartolo als Herr Mosshammer , schlanker als ihn manche noch in Erinnerung haben, samt Daisy auf dem Arm, welcher mit einer Vergangenheit konfrontiert wird, in welcher er eher noch den jungen Damen als den jungen Herren zugeneigt war. Die Gräfin Almaviva, eine mittlerweile eher abgelegte Laufstegschönheit, die immerhin noch für Mäntelpräsentationen zu gebrauchen war. Wenn man den Ausführungen von Marcellina glauben schenken darf. Cherubino ein Hipper 17 jähriger, der sich einer Gestik bedient, die man eher einem jungen Herren südländischer Herkunft zuordnen würde, wenn meine Bus- und Bahnerfahrungen mich hier nicht täuschen. Zudem soll dieser dann ja auch ganz modern in ein Massenherstellungszentrum nach China ausgelagert werden, anstatt den Militärdienst fröhnen zu dürfen. Eine textliche Korrektur die modern, witzig und sinnvoll ist.  Die Besetzungsliste laß sich dann auch wie die Aufstellung zu einem musikalischen Galaempfang (man lese bitte hierzu meine Rezension über die italienische Galanacht im Allee Theater). Als Graf Almaviva gab sich Titus Witt die Ehre, der  sowohl darstellerisch wie auch gesanglich die Rolle voll ausfüllte ( gott sei dank mal kein Fischer-Dieskau Epigone ). Katja Rothfuss, leider im kurzen Schwarzen etwas unvorteilhaft gekleidet, sie wirkte hier eher breiter als schlanker, daß hat diese tolle Sängerin nicht verdient ( hier müßte bitte nachgebessert werden ). Sie gab die Gräfin mit einer runden vollen Sopranstimme, die und das ist besonders in der Schlußszene so wichtige, die Autorität und vor allem die Ausstrahlung sowohl vokal wie auch darstellerisch einer grande Dame der Gesellschaft und der Oper hat. Diese Sängerin würde ich gern auch einmal als Donna Anna, Agathe, Rezia, Marschallin, Ariadne  oder Capriccio Gräfin erleben. Jakob Vad bestach nicht nur durch sein äußeres Erscheinungsbild, das weiße Hemd diagonal geknöpft, sondern auch durch seine Stimme als jugendlich verliebter Figaro. Natascha Dwulecki besitzt eine wundervolle Stimme, die sich in den Duetszenen mit der Gräfin bzw. Figaro und auch in den Ensembleszenen wunderbar mit den anderen vermischen konnte. Leider aber und das ist eher mein persönlicher Geschmack ,klang mir die Stimme für eine Susanna eine Spur zu reif. Silvia Aurea Aurelia De Stefano als Cherubino war mit ihrer koketten Art, die nicht aufgesetzt wirkte und ihrem wundervollen Mezzo ebenfalls einer der Höhepunkte des  Abends. Feline Knabe als Marcellina, deren Motte wohl einem Hildegard Knef Titel entsprungen zu sein schien, „Nein, eine Dame werd ich nie“, betrat, den Satz Birgit Nilssons widerlegend ( was braucht man für eine Isolde, Antwort: Bequeme Schuhe ), mit Stiefelstilettos ( zwischen 8 – 10 cm Höhe ) die Bühne und bewegte sich hier im eleganten kurzem Kleid, sportlicher als manche Dame mit Halbschuhen. Gesanglich war auch sie mit ihrem erotisch klingenden Mezzo einer der Höhepunkte des Abends. Andrew Young als Bartolo verstand es ebenfalls geschickt seine Pointen in Szene zu setzen. Und auch der Basilio von Martin Lindau überzeugte.  Ein gut aufeinander abgestimmtes Ensemble sorgten hier unter der Leitung von Ettore Prandi für einen amüsanten kurzweiligen Abend. Insbesondere auch deswegen, weil die humorvollen Sequenzen in diesem Stück nicht billig plakative waren, wie man das leider immer wieder von  prominenteren  Regisseuren erlebt, manchen einer durfte deswegen auch schon einmal Dresden vor Vertragsende verlassen,  sondern geschickt ausbalanciert und vor allem anspruchsvoll, auf einem höheren Niveau in Szene gesetzt wurden. Hier hat man gern herzlich mitgelacht.

 

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Opernexperte
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