Der MUH – Effekt

Sie werden sich jetzt sicherlich, und das zu recht fragen: Was bitte schön ist denn ein Muh-Effekt. Er leitet sich von dem Weidetier ab, welches als Wiederkäuer diesen Ton von sich gibt. Und hier erklärt sich auch schon der Zusammenhang Wiederkäuer und Muh-Effekt. Ohne großartig darüber nachzudenken, wird die Nahrung erst zu sich genommen und dann nach belieben noch einmal durchgekaut. Dieses nennt man dann Muh-Effekt. Dieser ist zum Beispiel sehr häufig bei Erklärungen in Zeitungen, bei Operneinführungen oder auch im Radio bzw. Fernsehen wieder zu finden. Irgendjemand hat in einem Zusammenhang einen Begriff aufgebracht und dieser wird dann ohne die sachliche Richtigkeit noch einmal zu prüfen, von den Journalisten wieder und wieder durchgekaut ( Wiederkäuer = Muh-Effekt ). Hier zwei Beispiele:

1. Beispiel: Pfitzners Palestrina:

Aus welchen Gründen auch immer kam eine Person auf die Idee, die These zu verbreiten, diese Musik sei sperrig. Ich ging zu einer Einführung in die Hamburgische Staatsoper: Das Erste, was ich dort erfuhr war, daß diese Musik sperrig sei. Später las ich eine Zeitungskritik; auch dort wurde wiederum verbreitet, diese Musik sei was?  Richtig: sperrig. Ein paar Wochen später hörte ich einen Bericht im Rundfunk über dieses Werk und was wurde uns dort erzählt? Sie werden nie darauf kommen: Die Musik, die Pfitzner für dieses musikalische Meisterwerk verwendete klingt sperrig. Ich erlaube mir jetzt einmal dieses dumme Vorurteil, ein- für allemal aus der Welt zu schaffen. Natürlich geht diese Musik nicht sofort ins Ohr wie der Helene Fischer Schlager Atemlos, auch klingt sie beim Ersten hören nicht ganz so gefällig wie Il Trovatore oder La Traviata von Verdi, geschweigedenn wie die La Boheme von Puccini, aber ganz ehrlich, erwartet das jemand.?Die Musik von Pfitzner ist sehr melodisch und die Komposition klingt recht anspruchvoll.

2. Beispiel: Liegetöne.

Diesen Begriff kann man zum Beispiel wunderbar mit dem Begriff Obertöne in einen Zusammenhang bringen. Wenn sie zum Beispiel in der U-Bahn jemanden schwungvoll auf die Füße latschen, so daß dieser vor Schmerz aufschreit und er sie in einer Effekthandlung zu Boden streckt, daß sie bis zur Ohmacht stöhnend auf dem Boden liegen blieben, dann sprechen wir bei ihm in dem Schwingungsbereich zwischen A-B und E-F von einem Oberton und bei ihnen auf dem Boden, nicht nur aus geographischer Sicht von einem Liegeton ( laut einer Erklärung, die ich leider nicht gelesen habe, welche so etwa sinnmäß in der Süddeutschen  Zeitung gestanden haben soll). Dieser Begriff wird weder in meinem Ullstein Musiklexikon , noch im DTV  Musikatlas, Handbuch der Musik, Atlantisbuch der Musik oder Knauersmusiklexikon erklärt. Ich muß daher davon ausgehen, daß ähnlich wie oben irgendjemand diesen Begriff einmal verwendet hat und sowohl Herr Brug in der Welt wie auch Frau Fischer-Zernin ( für die offenbar noch immer nicht alle Fragen gekärt sind “ Alle Fragen offen „; Kritik zu La bianca notte aus dem Hamburger Abendblatt ) müssen hier wohl oder übel ganz nüchtern betrachtet Opfer dieses Muh-Effektes geworden seien.

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