Krise beim Musical, alles nur übertrieben oder durch Fakten belegbar

Die Operette ist wieder auf dem Vormarsch, sollte dies ein Indikator dafür sein, daß das Musical trotz ständiger Eröffnungen von Neuen Musicaltheatern in einer Krise steckt?Wenn ja, welche Indikatoren deuten daraufhin. Jetzt könnten sie mir natürlich vorwerfen, was versteht der denn vom Musical, so selten wie er offensichtlich eines besucht. Mit diesem Vorwurf könnten Sie natürlich recht haben.  Dennoch, wie hat sich die Musical Landschaft verändert, wenn wir an die Zeiten von Annie get your gun, A little Nightmusic, Lancelot und Wet Side Story zurückblicken?  Die Musik ging natürlich auch mit der Zeit und das nicht erst seit Hair, Jesus Christ Superstar und Chess, sie ist natürlich moderner geworden, da sich ja auch die Popmusik verändert hat. Hier hat das Musical versucht Schritt zu halten, auch wenn es immer wieder Produktionen gab die sich mehr an der Oper oder zumindest klassische Musik als der “ moderne “ verpflichtet fühlten.  Als Beispiel seien hier Phantom der Oper oder aber Les Miserable genannt. Dann gibt es aber auch die andere Richtung die ein wenig z. B. afrikanisches Musikkollorit vermitteln wollten, als da wären König der Löwen und Fela und zu guter letzt gibt es dann diese Patchworkmusicals wo schon erfolgreich gelaufe Stücke noch einmal bösartig formuliert restverwertet werden. Frei nachdem Motto, was schon einmal funktioniert hat könnte auch wieder funktionieren. Hie seien als Beispiele Mamma Mia ( ABBA ), Ich war noch niemals in New York ( Udo Jürgens ), Tarzan ( Phil Collins ), ein Queens Musical, das Beatles Musicals nach der Filmvorlage Backbeat und zu guter letzt das in New York durchgefallene Musical The Last Ship ( Sting ) genannt. Dann gab es in den letzten Jahren auch andere Musicalproduktionen die sich lediglich durch musikalische Belanglosigkeiten auszeichnen wie Woman in White und Love never dies,das letzte Musical aus der Feder von Andrew Lloyd Webber wurde in London dann auch nach wenigen Monaten gleich wieder abgesetzt. Andere Musicals wie Rocky, in Europa erfolreich in New York durchgefallen, Titanic ( auch eher selten aufgeführt ) oder Das Wunder von Bern (fürchte ich wird wohl auch nur in deutschsprachigen Ländern ein Erfolgreich werden ) zeigen hier fürchte ich in eine Richtung, in der eher Ab- als Aufwärts geht. Der zweite Schwachpunkt hier ist eine unzulängliche Besetzungspolitik. Natürlich haben wir hier auf der Habenseite, sofern sie alle überhaupt noch  in Musicals auftreten und sich nicht schon vollends einer Solokarriere gewidmet haben bzw. wie Steven Barton, der  leider zu früh verstarb , Michael Crawford, Michael Ball, Ramin Karimloo, Cheyenne Jackson, Attila Dolhai und Alfie Boe um jetzt nur einige prominente Namen herauszugreifen. Bei den Damen hingegen sieht es hier und das ist wohl auch einer der Gründe für diese Krise bedeutend schlechter aus, Frau Fortenbacher wirkt nur wenn ihre Pipstimme künstlich aufgeblasen wird, Sarah Brightman hat neben einer dünnen Stimme noch einen gruseligen Sprachfehler, Elaine Paige scheint sich mittlerweile bis auf wenige dosierte Auftritte aus dem Geschäft zurückgezogen zu haben, von Barbara Dickson sehe ich  nur noch Soloalben, Angelika Milster scheint sich mehr mit der Schlagerwelt verbunden zu fühlen, Gilian Scalici ( ihr Soloalbum ist eine einzige Katastrophe), Ute Lemper hat sich eher in Richtung Chanson weiter entwickelt, Patti Du Pont ( bin ich leider überfragt ) und ähnlich er geht es mir momentan auch bei Betty Buckley und Marti Webb scheint sich wohl auch aus dem Geschäft weites gehend zurückgezogen zu haben, in sofern bleibt fast keine mit stimmlichen Format mehr übrig. Wenn man heute zum Beispiel ins Musical in London geht, dann können sie pauschal davon ausgehen das sie zwei Dinge erwarten werden erstens z. B. bei Les Miserable, die Musik wird vom Dirigenten ohne Sinn und Verstand gefühlos herunter geleiert, ich habe eine Aufführung besucht eine andere mit Ramin Karimloo auf DVD erworben, in beiden Fällen ist die musiklalische Begleitung eine einzige Katastrophe. Zweitens  die Besetzung bei den Frauenstimme, dünne, angestrengt wirkende und teils auch zickige Stimmchen stehen immer kurz vor dem stimmlichen Kollaps, weil sie den gesanglichen Anforderungen einfach nicht gewachsen sind. Auch hier dienen für mich als Indikator beide Les Miserable Produktionen und eine von mir besuchte Love never dies Produktion. Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel, ein Besuch von West Side Story in New York und ein Besuch von Les Miserable in Warschau ( kann ich jedem nur empfehlen, wenn Musical besuche dann bitte dort ). Zudem bekam ich eine Werbe CD von Sister Act zugeschickt, was ich dort ertragen mußte,  war das nackte Grauen. Hat der Film noch gospelanleihen, dort war davon nichts mehr zu spüren geschweigeden zu hören und auch die Musikbeispiele waren gesanglich unter aller Kanone. Zum größtenteil wird hier Musik künstlich aufgebauscht. Quantität, was die Lautstärke angelangt, geht hier meist über musikalische Qualität, was sich leider stellenweise in der weniger originellen Partitur oder aber der hastig herunter gespulten Musik ausdrückt. hier zöhlt das Motto: Augen zu und durch,  je schneller wir an diesem Abend mit der Musik fertig sind um so besser . Der dritte Punkt ist die schon erwähnte unzureichende stimmliche Besetzung, daß wäre genau das selbe als ich wenn ich Eva Lind für eine Turandotproduktion mit der Titelpartie besetzen würde. Ganz schlimm wird es dann bei den Verfilmungen. Ausgenommen werden muß hier natürlich die grandiose, in stimmlicher Hinsicht, verfilmte Hairproduktion. Beim Phantom der Oper war zumindest die Titelpartie mit Gerald Butler gesanglich noch überzeugend besetzt, aber spätestens bei Mamma Mia und Les Miserable wurden die Grenze des guten Geschmackes überschritten. Gesanglich vollkommen unbegabte Schauspieler liefern sich einen Zweikampf mit der Musik und dieser Endete schon nach der ersten für ein technisches K.O. zu lasten der Musik. Für derartige Kinobesuche hätte man Geld zahlen müßen ( Schmerzensgeld ), statt welches zu verlangen. Solange sich hier nichts ändert, vernünftige Kompositionen, in einem dem Werk angemessenen Tempo vorgetragen und vor allem mit Stimmen besetzt die den Rollen auch gewachsen sind, ist dieses Musikgenre eindeutig dem Untergang geweiht.

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