Richard Wagner: Tannhäuser ( Berlin, Deutsche Oper, d. 07.12.2014 )

Ich hatte die oberen Ränge dieses Opernhauses noch gar nicht ganz erklommen als mein Augen folgendes Erblickte, einen jungen Mann, dunkle Jeans und einem schwarzen Trainingsanzugoberteil mit einem weißen Streifen zu beiden Seiten auf den Armen. Offenbar hatte hier jemand das gleiche Kulturprogramm gebucht wie ich, erst den Faust und dann den Tannhäuser. Das Orchester der deutschen Oper Berlin unter der Leitung von Axel Kober klang im Vorspiel alles andere als optimal, die Violinen klangen an einer Stellen mindestens 5 Minute lang als würden hier mehrere Leierkästen gleichgeschaltet worden sein und auch die Bläser waren nicht immer optimal. Überhaupt fand ich den Orchesterklang etwas arg eingedunkelt, kurz um überzeugend bzw. treffend musiziert ist etwas anderes. Hier muß ich leider ein ganz dickes Minus geben. Petra Maria Schnitzer hier als Venus und Elisabeth ertragen zu dürfen ließ den Abend auch nicht gerade in einem besseren Licht erscheinen. In der Höhe zu grell und stellenweise leider auch nicht immer über den Orchesterklang schwebend und richtig getroffene Töne hören sich wirklich anders an. Sie besitzt noch eine ganz passable Mittellage, aber das war es dann leider auch schon. Als Venus entschieden zu uncharmant und als Elisabeth leider auch  nicht besser. Auch die Inszenierung hatte so ihre Schwächen.  Zum Ende des Vorspieles sieht man einen schlanken Jüngling mit Venus auf einem Präsentierteller in der Tiefe verschwinden, als jener Teller nach dem Vorspiele wieder nach oben gefahren wird, ist  nicht sie sondern er im fünften Monat schwanger, so etwas scheint nur in Berlin oder aber im Venusberg möglich zu sein. Ein ganz schwerwiegender Regiefehler, und auch die Pilger, die alle in Lazaretbetten aus dem ersten Weltkrieg emphatisch singen, tun was die Glaubwürdigkeit dieser Inszenierung anbelangt, selbiger leider auch keinen sehr großen Gefallen. Peter Seiffert sang im Venusberg noch sehr kraftvoll, gleich danach mußte er aber ins Piano und da gab es die ersten Schwierigkeiten und ich rechnetete schon mit dem Schlimmsten, aber nach kurzer Zeit hatte er sich wieder gefangen. Im zweiten Akt dann, die Erbarme dich mein Rufe habe ich selten so überzeugend erlebt wie an diesem Abend und dann die Romerzählung im dritten Akt, beides glich einer wirklichen Sensation, zu Recht erntete Peter Seiffert an diesem Abend nicht nur euphorischen Beifall, sondern wurde zum Ende noch als Kammersänger ausgezeichnet. Bei dieser Gelegenheit entschuldigte er sich noch für so machen weniger gut getroffenen Ton während der letzten Jahre. Ain Anger war leider als Landgraf Hermann auch keine Idealbesetzung, zu beginn sang er die falschen Noten und im späteren Verlauf wurde die Stimme zwar sicherer aber leider auch lauter und undifferenzierter. Markus Brück besitzt ein wunderschönes Stimmtimbre, leider nur gestaltete er seine großen Arien Blick ich umher, und das Lied an den Abendstern zu akademisch und vor allem zu langatmig. erst zum Ende des dritte Akte kam er stimmlich aus sich heraus, leider für meinen Geschmack etwas zu spät, hier hätte viel früher, entschieden mehr kommen müssen. Elbenita Kajtazi sang einen berückend schönen Hirten, sie war neben Peter Seiffert, einer der Höhepunkte dieses denkwürdigen Abend gewesen. Denkwürdig, weil ich Peter Seiffert noch nie so ergreifend erlebt habe wie an jenem Abend. Und dann der Chor, der zum Schluß eine an einen Vulkanausbruch erinnernden eruptiven Gesang zum Besten gab, der einen fast wie geplättet zum Ende des Abends in den Sessel  drückte, so habe ich den Schlußchor aus dieser Oper noch  nie gehört.

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