Gaetano Donizetti: Elisir d’amore ( Hamburg, d. 09.05.2014 )

Gaetano Donizetti: Elisir d’amore ( Hamburg, d. 09.05.2014 )

Wer erinnert sich nicht noch an die Zeiten als es pro Nachmittag zwischen 12 und 16 Uhr gefühlte 10 Talkshows gab und an die Ilusteren Gäste, auch an solche die als sogenannte Talkshowhopper verschrieen waren.
Auf die Talkshowflut folgte schließlich eine Flut von Gerichtssendungen und Castingsshows und auch hier erleben wir stellenweise dieses Phönomen, vier Castingshows und immer wieder begegnen wir bekannten Gesichtern.
Ein noch nicht besprochenes Phonomen sind die sogenannten Premierenhopper, hierbei handelt es sich um solche die egal wo, Europaweit sei es nun München, Berlin (Elisr d’amore, Tannhäuser ), Salzburg, Wien, Paris oder London evon einer Opernpremiere zru nächsten hoppeln und garaniert finden wir später ihre Meinung im Kulturteil einer Tageszeitung wieder
Manche denken auch, da man eh überall vermutet würde, es gar nicht weiter Auffallen würde, wenn sie über Premieren berichten an denen sie gar nicht teilgenommen haben.
Diese bedauernswerten Geschöpfe tingeln in der Weltgeschichte herum auf der Suche nach dem heiligen Gral und finden stellenweise nur enttäuschendes vor.
Der Tenor in Berlin im Lieestrank drückte eine Träne nieder, die Sopranistin war zweitklassig, das Bühnenbild auch nicht besser, und ich dachte immer zweitklassiges gäbe es nur in Hamburg ( sinngemäßes Zitat aus bekannten deutschen Tageszeitungen von zwei ebensolchen bekannten Zeitgenosssen ).

Da ja Ensemblekünstler gern alles negative Nachgesagt wird und diese den Kulturbetrieb nur stören, da mit Ihnen heutzutage keine Oper mehr adäquart zu besetzen sei, dieses glaubte man jedenfalls in Wupperthal, entließ man kurzerhand das gesamte Opernensemble, mitausnahme von zwei Sekretärinnen.
Das es aber gerade in kleineren Städten eine Art Lokalpatriotismus gibt und man die Theaer gern besucht, weil dort bekannte Gesichter auftreten, es eine persönliche Bindung von Seiten des Publikums zu den Künstlern gibt bzw. diese in den letzten Jahren erfolgreich aufgebaut worden ist, dieses muß den Verantowrtlich mal so ganz lapidar entgangen sein.
Unglaublich.!!!!!!!

Aber jetzt zurück zur Hamburger Aufführung.
Schon Hildegart Knef stellte einmal fest: “ ich brauche kein Venedig.“
Dieser Ausspruch hätte an diesem Abend auch in der Hamburgischen Staatsoper Verwendung finden können, einmal beckmesserisch gefragt bzw. festgestellt, wozu brauche ich in Hamburg z. B. eine Anna Netrebko oder eine Angela Gheorghiu ( Absage der Margerethe im Faust, weil eine konzertante Aufführung vom Bühnengeschehen her nicht auf sie zugeschnitten ist. Was ist denn das für ein Unsinn !?! ), wenn wir hier als Adina eine Sängerin vom Formate einer Katherina Tretyakova haben ( ich berichtet bereits von ihrer großartigen Leistung als Lucia die Lammermoor und in der nächsten Spielzeit wird sie hier die Violetta singen ).
Die Frau besitzt einem außerordentlichen Charme, ein großes schauspielerisches Talent und vor allem eine Stimme die was Koloraturen, Ausdruck und Stimmkontrolle anbelangt sie mittlerweile mit fug und recht zu den Besten ihres Faches zählt.
Erinnern wir uns aus dem Hamburger Opernstudio sind bereits größen wie Olga Peretyatko, Aleksandra Kurzak und jetzt als nächste Katherina Tretjakova hervorgegangen und es wird nur noch eine Frage der Zeit sein, bis sie weltweit für Furore sorgen wird.
Ihr zur Seite stand an diesem Abend ein weiterer hervoragender Absolvent des Hamburger Opernstudios, der Tenor Dovlet Nurgeldiyev, welcher bereits schon vor wenigen Tagen im Fürst Igor bewieß, daß auch er bereits in den Startlöchern sitzt für eine große Internatonale Karriere.
Auch hier konnte man eine Spielfreude, einen Charme und eine tiefe in der Rollenauslegung des Nemorinos entdecken, die ganz deutlich manchen, daß er es nicht mehr länger nötig hat sich hinter Tenören wie Gregory Kunde, Juan Diego Florez oder Lawrence Brownlee verstecken zu müßen.
Dem entprechend Groß auch der Schlußapplaus, bei welchem er noch gar glauben konnte, daß dieser wirklich ihm galt.
Vielleicht fehlte es hier und da bei der Arie Una furtiva lagrima noch ein wenig an individueller Detailarbeit, aber dieser ein wand verblaßt angesichts der hervorragenden stimmlichen Leistung, die er an diesem Abend an den Tag gelegt hat.
Mag man vielleicht einwenden, daß er in den komödiantischen Momenten noch nicht ganz so frei wirkte, manches wirkte etwas aufgesetzt, in den tragisch aber war er schlicht weg überwältigend.
Es wurde zu keiner Zeit gedrückt oder gequetscht, die Stimme klang immer frei und schwebte federleicht durch den Raum.
Vincenzo Neri, noch im Hamburger Opernstudio, sprang an diesem abend für Jan Buchwald, und hatte ebenfalls mit seiner Interpretation des Belcore einen riesigen Erfolg.
Die hatte seine Chance bestens genußt.
Tigran Martirossian überzeugte einmal mehr als Dulcamara.
Und die letzte große Überraschung war die 26 jährige Joana Mallwitz am Pult der spielfreudigen Hamburger Symphoniker.
Auch sie war mit Herz und Seele und einem tollen Donizettiklang zugegen.
Man konnte förmlich spüren wie sie mit den Sängern auf der Bühne mitatmete.
Die Gianetta wurde bestechend schön von Anat Edri gesungen und auch der Chor der Hamburger Staatsoper war hervorragend, wie immer.
Hier wurde einmal mehr der Beweis angetreten, daß ein erstklassiges Opernhaus mit seinem Ensemble steht und fällt.
Bei der heutigen Flut von hervorragenden Sängern, die zum Ensemble dieses Hauses gehören ist es tatsächlich möglich Opern wie La Boheme, La Traviata, Lucia die Lammermoor, Don Pasquale und auch die Oper Elisir d’more mit Kräften des Hauses erstklassig auf die Bühne zu bringen, ohne daß man sich hier hinter Häusern wie Covent Garden oder der Metropolitan Opera verstecken muß.

Angesichts dieser außerordentlichen Leistung sollten eigentlich dem Intendanten von Wupperthal die Ohren klingeln, der da meinte ein Hausensemble wirkt sich nur störend auf den Opernbetrieb aus.
Der einzge der dort stört ist ganz offensichlich der Intendant und künstlerische Leiter und sollte schnellstmöglicht abgesägt werden.

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Opernexperte
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