Giuseppe Verdi: La Forza del Destino ( Livestream aus der Bayrischen Staatsoper 28.12.2013 )

Gesanglich und Darstellerisch fand ich in der Livestreamübertragung vor allem Jonas Kaufmann hervorragend.
Er gehört für mich vor allem auch von der Bühnenpräsenz, zu den ganz wenigen Sängern die auf kleinsten Aktionsradius allein durch ihre Ausstrahlung und ihre Körpersprache überzeugen
Ich hatte zudem den Eindruck, das er mindestens 5- 10 kg schlanker wirkte, als noch vor ca. 4 – 6 Jahren, als ich im direkt Gegenüberstand.
Die Stimme selber dunkel timbriert, aber hier nicht ganz so baritonal wie noch in einer anderen Oper eingefärbt.
Eine Stimme die mich immer wieder an die alte Schule erinnert, aus der Sänger wie zum Beispiel Julius Patzak hervorgeganen sind
Anja Harteros von der Ausstrahlung her hervorragend, dennoch fand ich die drei großen Arien von ihr, wenn auch bravorös gemeistert, irgentwie etwas weniger packend.
Die meladizione Rufe zum Ende der Pace Arie waren für mich nicht anklagend, nicht ergreifend genug gesungen worden, hier fehlte ihr die nötige Dramatik in der Stimme.
Größe und Stimmumfang stimmten, aber es fehlte doch ein kleines Quentchen von dem gewissen etwas, daß sie zum Beispiel vermittelt, wenn sie die Arabella singt.
Ihre Sterbeszene im Piano auch hier wundervoll gesungen, aber irgentwie fragte man sich zum Ende dann doch, na und?
Hervorragend der Don Carlo, gesungen von Ludovic Tezier, Durchschlagskraft und auch überzeugend in der Phrasierung.
Die Duette mit Jonas Kaufmann auch von der Körpersprache her toll gelöst und dargestellt, waren hier zum Teil richtige Duelle.
Für mich absolut glaubwürdig, zumal Herr Kaufmann in einem Zwischeninterview erklärte, daß der Don Alvaro, eigentlich die körperliche Auseinandersetzung gar nicht mit Absicht herbeiführen möchte, sondern sie eher vermeiden will, bis dann ein Wort das andere gibt,und er schließlich dann doch wieder das Messer in der Hand hat.
Dieses wurde dann ja auch glaubwürdig auf der Bühne umgesetzt.
Die Rolle der Preziosilla hier von Nadia Krasteva gesungen, hat man sicherlich von Oralia Dominguez schon konstanter und besser gehört, dennoch mit Hinblick auf die Darstellung war sie gesamtbetrachtet überzeugend.
Renato Girolami war sicherlich nicht schlecht, aber man hörte diese Rolle leider wirklich schon bedeutend packend und weniger handsam großväterlich Interpretiert.
Als Schlichter in dem Konflikt, wirkte er über weite Strecken dann leider doch eher überflüssig.
Das Bühnenbild selber fand ich weitesgehend gar nicht einmal so daneben.
Erstaunlich was man in knapp zweieinhalb Stunden alles mit einem Tisch anstellen kann, dagegen verblaßte direkt der ganze Rest der Dekoration ( sofern man davon sprechen kann ), eigentlich stand immer nur dieser Tisch im Fokus, zum Essen, zum Beine vertreten, sich darauf herumzulümmeln, oder als Krankenbarre.
Der Kommentar von Herrn Brug, Asher Fisch wäre nicht die erste Wahl gewesen, mag vielleicht Stimmen ich weiß nicht wer sonst noch zur Disposition stand (da muß wohl eher Herrn Brug fragen ), dennoch war die Entscheidung für ihn die Richtige. Er hat das gesamte Werk musikalisch hervorragend umgesetzt und die Sänger zum größten Teil, wie man es ja auch von seinem Ring ( auf CD erschienen ) kennt, auf Händen getragen.
Das es  in den Soldatenlagern oder in deren umittelbaren Umfeld sicherlich damals wie heute Trostfrauen ( um es einmal so zu formulieren) gab, halte ich für nicht so ganz ungewöhlich, und das während eines Krieges die guten Sitten und Gebräuche als erstes vor die Hunde gehen, ist hier sehr glaubhaft umgesetzt worden.
Die Swimminpoolszene mit Draculas Söhnen, Töchtern, Neffen, Nichten und ählichen Verwandschaftsmitgliedern ersten bis vierten Grades, fand ich dann auch weniger packend.
Und auch die Schlußszenen, wo sie irgentwie alle aus dem Únterholz gekrochen kamen, hat mich auch weniger gepackt.
Eine Inszenierung die man im Großen und Ganzen so an sich vorbeiziehen lassen kann, oder wie es Herr Bohlen formulieren würde, stört die Hausfrau nicht beim bügeln, kochen oder stricken.
Es ist keine Inszenierung, wo man gebannt auf den Bildschirm start bzw. nach vorn auf die Bühne und darauf wartet was als nächstens passiert.
Dennoch die Personenregie war zum Größtenteil, was die Darstellung der Charaktere anbelangt schlüssig und glaubwürdig.
Preziosilla hier noch einmal als Beispiel herausgegriffen, gab als Antriebkraft für die Moral der Soldaten alles, sogar ihren Körper ( bis zu einer gewissen Grenze, was zumindest auf der Bühne gezeigt wurde )
Eine Weiterentwicklung fand bei keiner der dortigen Figuren statt, diese ist für mich aber auch wenn ich mir das Werk auf CD anhöre nicht oder kaum erkennbar.
Fast jeder bleibt in seinem Schema stecken und kann sich eigenständig nicht daraus befreien.
Es ist halt die Macht des Schicksals.

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Opernexperte
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