Heinrich Marschner Der Vampyr ( 29.01.2012 Hamburger Kammeroper )

Heinrich Marschner Der Vampyr ( 29.01.2012 Hamburger Kammeroper )

Im Zeichen von New Moon, Vampiere Diaries und True Blood kam jetzt in New York ( Liederkreis ) und in der Hamburger Kammeroper Marschners Vampyr nach Jahren wieder einmal zu verspäteten Ehren.
Die Inszenirung war sparsam aber dennoch nett gemacht. Vor dem romantischen Stelldichein mit seinem zweiten Opfer wurde das Erste ( in Form einer Puppe ) kurzer Hand hinter den Augen der Angebeteten aus dem Räumlichkeiten geschleift.
Man muß hier allerdings vermerken, daß dieser Vampyr wenig mit den modernen Vampieren gemein hat, sondern eher an jene aus den Hammer Studios erinnerte.
Gesanglich blieb Michael Müller-Deeken ( seine Stimme war eher tenoral als baritonal angehaucht ) zwar hinter Thomas Hampson zurück nicht aber hinter Siegmund Niemsgern.
Joo-Anne Bitter übernahm aller drei Frauenrollen und man hatte zum Ende der Oper das Gefühl, daß sie sich hier leicht übernommen hat, denn im vierten Akt traten leichte Ermüdungserscheinungen in der Stimme auf.
Dennoch ein gutgeführter runder Sopranklang mit tiefe.
Von dieser Stimme möchte ich in einigen Jahren gern mal eine Agathe hören.
Der Tenor des Abends Enrique Adrados, der hier den Edgar und den Georg sang , ließ aufhorchen, die Stimme war schlank, höhensicher und vor allendingen mit einer guten Gesangs- und Geschmackstechnik gesegnet.
Er war nicht so Höhenunsicher wie jener Tenor, der in der Stuttgarter La Sonnambula die Tenorpartie geschmissen hat, anders kann man diesen kläglichen Auftritt dort wirklich nicht beschreiben.
Von Enrique Adrabos möchte man zukünftig gern mal einen Alfredo oder Fenton ( Falstaff bzw. lustigen Weiber von ‚Windsor ) hören.
Mt diesem simmlichen Matrial sollten ihm für eine große Karriere eigentlich alle Wege offen sein.
Auch war das sängerische Niveau hier deutlich Höher als in Stuttgart trotzt oder vielleicht auch gerade wegen der bescheideneren finanziellen Mittel, die man zur Verfügung hat.
Während in Stuttgart überwiegend Hektik die gesanglichen Leitungen aller arg in Mitleidenschaft zog, hieß es hier in der Ruhe liegt die Kraft.
Wobei hektisch nicht als Geschwindigkeitsindikator mißverstanden werden sollte.
Ich kann Koloraturen nur dann überzeugend und agil bewältigen, wenn ich die nötige innere Ruhe habe und die fehlte in Stuttgart.
Auch die anderen Sänger in diesem Ensemble Marius Adam als Sir Berkley, Christina Baader als Suse Blunt und Richard Wiedl als Toms Blunt leisteten hervorragendes.
Dem Theater stand sechs Orchestermitglieder zur Verfügung und Fabian Dobler am Pult, der das ganze wunderbar zusammenführte und auch für musikalische Arangement verantwortlich war.
Ein wunderbarer Abend und man kann nur hoffen das dieses Stück demnächst wieder einmal ins Programm genommen wird.

Über godenrath

Opernexperte
Dieser Beitrag wurde unter 04.09. Allee Theater, Hamburg - Altona, M.02. Heinrich Marschner veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

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