Les Miserables in Warschau

In Warschau läuft zur Zeit im Teatre Roma Les Miserables, in polnisch.
Schon nach wenigen Minuten werden einem die Unterschiede zwischen dieser und der Londoner Aufführung deutlich vor Augen geführt.
Der Dirigent erinnert ein wenig ein Leif Segerstam, zumindest von der Rückenansicht, beim Bühnenbild wird ähnlich wie in Lady in White in London viel mit Lichttechnik gearbeitet. Bilder und Wolken werden auf eine Leinwand projiziert. Treppen erscheinen, in dem Häuserrequisiten nach vorn fallen. Tableaus werden von der Seite auf die Bühnenmitte geschoben.
Das Tempo des Dirigenten ist verglichen mit der Londoneraufführung weit aus getragener, hier wird das Werk nicht im Galopp durchgepeitscht sondern es wird viel Wert auf eine musikalische Detailarbeit gelegt.
Auch bei den Sängern werden die Unterschiede, was das Gesangsnieveau anbelangt schon nach wenigen Minuten deutlich.
Während man in London ständig fürchten mußte, das die Stimmen der Damen jeden Augenblick kollabieren würden, hier konnte man sich entspannt zurücklehnen denn die Sängerinnen sangen alle innerhalb ihrer stimmlichen Mittel und waren auch problemlos den dramatischen Aspeten ihrer Rollen gewachsen.
Die Stimmverstärkung über die Technik geschah anders als hier üblich in Maßen, die Stimmen klangen natürlich und nicht technisch aufgebläht, wie zum Beispiel bei Mamma Mia, wo wenn man Frau Fortenbacher einmal ohne Verstärkung hört von ihrem stimmchen kaum noch etwas übrig bleibt. Dieses Gefühl wurde einem hier nicht vermittelt.
Die männliche Hauptrolle, die Partie des Jean wurde von Damian Aleksandre gesungen gewiss kein Sänger der über das stimmliche Charisma eines Michael Crawford oder Ramin Karimloo verfügte, obgleich auch er in Warschau das Phantoms der Oper gesungen hat, so war er dennoch überzeugend, der Titel “ Bring ihm home“ wurde hier überaus gefühlvoll und im “ Piano“ gesungen.
Und während der Titel “ I dreamed a dream “ in London im Eiltempo hernieder gedudelt wurde, hier wurden alle musikalischen Feinheiten dieses Stückes herausgearbeitet, auch gesanglich.
Hervorragend auch die ‚Ensemble arbeit in Stücken wie One day more.
Ein überaus gelungener Abend, den man auf diesem Niveau nicht so häufig erlebt.
Ein von mir geplanter Bericht über die Sopranistin Izabella Klosinska über einen Liederabend, so wie auch über ihre CD Produktionen von Pendereckis Te Deum und Polish Requiem muß leider auf Grund ihres abgesagten Liederabends in Warschau entfallen.

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Opernexperte
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