6. Aufzug: Der Tag der Freiheit

Montagmorgen 10 Uhr im Büro des Staatsanwaltes Fendrigde.
“Herr Staatsanwalt, ich versichere es ihnen, mein Mandant hat mit diesem Mord nicht das geringste zu tun.
Für seine Fingerabdrücke gibt es neben Zeugen auch eine plausible Erklärung.
Er goß dem Opfer den Inhalt einer Wasserkaraffe über den Kopf, das ist aller höchstens grober Unfug, aber beim besten willen kein Mord.
Selbst der Inspektor mußte einräumen das es nur für den Ausguß des Wassers Zeugen gibt und es gibt sogar einen Zeugen der gesehen wie mein Mandant die Karaffe auf einen Beistelltisch plazierte bevor er in den Toilettenräumen verschwand.
Des weiteren gibt es einen Zeugen der gesehen hat wie das Opfer und mein Mandant auf dem Flur unterschiedliche Richtungen einschlugen.
Der ging nach links zu seinem Büro, mein Mandant nach rechts zum Ausgang.
Es gibt daher also keine Grund meinen Mandanten hier noch länger festzuhalten,” führt Frank Gorden aus.
“Inspektor Conrad, gibt es von ihrer Seite her noch etwas zu sagen,” wollte der Staatanwalt wissen.
“Nur soviel, Sir Gianello stieß für mein dafür halten ganz eindeutige Drohungen, Tötungsabsichten gegen Edward Cornwell aus.
Er drohte ihn mit der Wasserkaraffe etwas anzutun und genau das ist letztendlich dann ja auch eingetreten.
Er verließ nach dieser Drohung mit der Wasserkaraffe in der Hand das Studio und es ist ein leichtes für ihn nach dem Abstellen der Karaffe , als er aus den Toilettenräumen wieder heraus kam, sich derer wieder zu bemächtigen, nachdem er erst zum Ausgang gegangen ist, nur um dann wieder umzukehren zur Karaffe zu greifen und ihn dann damit in seinem Büro zu erschlagen.
Es befanden sich nur zwei verschiedene Fingerabdruckpaare auf dem Griff dieser Karaffe und zwar die von Sarah Danken und die von Sir Gianello und er hat in der Zelle vor einem Zeugen sogar zugegeben diesen Mord begangen zu haben,” führte der Inspektor seine Beweiskette vor.
“Herr Verteidiger, haben sie noch etwas vorzubringen bevor ich entscheide.”
“Ihr angeblicher Zeuge war zum Zeitpunkt dieses vermeintliches Geständnissen meines Mandanten in einem durch übertriebenen Alkehohlgenusses herbeigeführten Zustand von mehr oder weniger schwerwiegender Geistiger Umnachtung.
Wie Unterlagen belegen hatte er zum Zeitpunkt seiner Verhaftung 3,5 Promille Alkehohl im Blut gehabt.
So viel also zu der Glaubwürdigkeit dieses Zeugen,”fügte Frank Gorden ergänzend zu seinen bisherigen Ausführungen noch hinzu.
“Wie sie also sehen,”fuhr Frank Groden dann fort,” alles nur Indizien und manche sind hier sogar
mehr als nur etwas fragwürdig.
Es gibt niemanden der gesehen hat wie mein Mandant sich zum 2. Mal im Gang in den Besitz jener Wasserkaraffe gebracht hat.
Es gibt niemanden der gesehen hat, wie er nachdem er sich dem Ausgang zu gewendet hatte noch einmal umgekehrt ist und es gibt niemanden der ihn gesehen hat, wie er das Arbeitzimmer des Ermordeten betreten hat und es gibt keinen Zeugen, der gesehen hat wie mein Mandant Edward Cornwell mit dieser Wasserkaraffe erschlug.
Und wissen sie auch warum es für all diese an den haaren herbeigezogenen Anschuldigungen keine Zeugen geben kann, ganz einfach, weil mein Mandant keines dieser im zur Last gelegten Dinge getan hat. “
Der Staatsanwalt schloß kurz die Augen und stellte seine Fingerspitzen gegeneinander.
“Ich bin geneigt der Vereidigung rechtzugeben Inspektor, ich werde daher den Haftbefehl meines Kollegen außer Kraft setzen lassen.”
“Danke.”

“Frank, wie nett, daß du mich mit deiner Anwesenheit beehrst.
Hattest du wenigstens ein schönes Wochenende gehabt?
Haben die Fische angebissen,” verlangte Sir Gianello mit einem mehr als nur leichten ironischen Unterton in seiner Stimme zu wissen.
“So lala, ich habe übrigens eben mit dem Staatsanwalt gesprochen.”
“Und.”
“Sie sollten zukünftig mit Mordgeständnissen vor Zeugen, selbst wenn diese betrunken sind, etwas vorsichtiger sein.
Es hätte sonst leicht passieren können, das sich ihre Aufenthaltserlaubnis für dieses Etablissement, hier in zeitlicher Hinsicht noch etwas ausgedehnt hätte.”
“Zugegeben, ich habe mich da vielleicht etwas gehen lassen,” räumte Sir Gianello ein.
“Etwas ist gut.
In den nächsten 10 Minuten sollten sie auf freiem Fuße sein.
Tim und Melanie erwarten sie schon draußen, dann werden wir alles weitere besprechen,” erklärte Frank Gorden und verließ den Zellentrackt durch welchen Sir Gianello wieder zu seine Zelle im bei sein seines Anwaltes geführt wurde.

Etwa dreißig Minuten später traf Sir Gianello auf Tim, Melanie und Frank.
“Schön , sie wieder auf freiem Fuße zu sehen, Francesco.
Ich begann mir schon ernstlich Sorgen zu machen,” begrüßte ihn Melanie.
“Was auch nicht ganz Unbegründet war,”klärte Frank sie auf,” Immerhin geht es hier um nicht geringeres als um einen Mord,” fuhr er dann fort.
“Und? Wen sollen sie umgebracht haben?” wollte Tim wissen.
“Mr. Edward Cornwell,” bemerkte Sir Gianello.
Tim und Melanie schüttelten verständnisvoll mit ihren Köpfen.
“Aber das ist jetzt ja überstanden.-
Sie sollten versuchen diese unliebsame Episode so schnell wie möglich zu vergessen,” versuchte Melanie ihn aufzumuntern.
“Vergessen, wie kann ich jemals vergessen was man mir, Francesco Gianello angetan hat.
Man hat mich vor der Weltöffentlichkeit, vor meiner nicht sehr geringen Fangemeinde, was beinahe aufs selbe heraus kommt, lächerlich gemacht.
Und dagegen werde ich jetzt etwas unternehmen,” eröffnete ihnen Sir Gianello immer noch mit jenem Vorteilhaften Haarteil auf dem Kopf.
“Unternehmen?
Was wollen sie unternehmen?
Ich hoffe nichts unüberlegtes,” hackte Frank, dem fürchterliches schwante, mit vorsichtiger Stimme nach.
“Das werde ich euch jetzt erklären.
Tim, sie werden die wirtschaftliche Lage des Toten näher in Augenschein nehmen.
Melanie, sie kümmern sich um das private Umfeld, Nachbarn, Ehefrau, Freunde etc.
Frank, sie gehen noch einmal den Polizeibericht durch und ich werde in der zwischen Zeit den Tatort besichtigen.
Wir werden uns dann heute abend bei mir treffen.
Viel Erfolg!” erbat sich Sir Gianello nach der Verteilung der Arbeitsgebiete, rief sich ein Taxi, stieg ein und fuhr davon.
“Wohin soll es den gehen Mr. ….” begann der Taxifahrer mit routinierter Stimme bevor sich seine Augen weiteten und er leicht zu stottern begann.
Sind…….sind…….sind sie nicht…..nicht der……der….der bekannte Tenor, warten sie, es liegt mir auf der Zunge…..Sir….Sir Petruccio Farnelli!” platzte es dann aus ihm heraus.
“Nicht ganz, doch jetzt bringen sie mich bitte zu den Studios der BBC.”
“Sehr wohl Sir.”
Mein Name ist Sir Francesco Gianello,” erklärte er dann zumindest immer hin dahingehend geschmeichelt, das man in ihm einen bekannten Tenor, erkannt hatte.
“Hat man sie nicht wegen Mordes verhaftet, es stand in allen Zeitungen,” fuhr der Fahrer dann pietätvoll fort.
“Großartig, demnächst werde ich nur noch als der Gefängnistenor angekündigt werden.
Wahrscheinlich wird man mir sogar bald die Hauptrolle in einer Neu Verfilmung von Jail House Rock anbieten,” schoß es ihm durch den Kopf.
“Ein Mißverständnis, das sich mittlerweile geklärt hat,” erklärte Sir Gianello mit ruhigem Unterton.
“Wir haben das Thema eingehend bei uns zu Hause, das heißt also meine Frau, meine Tochter und ich, Diskutiert und kamen einstimmig zu dem Entschluß, das ein so vollendeter und charmanter, netter Gentleman wie sie unmöglich einen solchen Menschen ermorden könnten,” führte der Fahrer seine begonnene Konversation fort.
Das behaupten alle die mich nicht näher kennen,” kam es in Sir Gianello Gedanklich hoch.
“Wie schmeichelhaft,” bemerkte er statt dessen nur.
“Ja, ich bin wirklich ein großer Fan von ihnen, ich kann darum auch nicht begreifen warum meine Frau und meine Tochter anderer Meinung waren und ihnen den Mord durchaus zugetraut haben.
Wissen sie eigentlich, wie lange ich schon darauf gewartet habe, einmal in meinem Leben einen
so großen Star wie sie chauffieren zu dürfen,” wollte er natürlich nur rein rhetorisch wissen.
“Ich werde es sicher gleich erfahren,” dachte Sir Gianello bei sich.
“ 15 Jahre, 15 lange Jahre und endlich wurde mein Wunsch erhört, darf ich ihnen die Hand reichen?” und er drehte sich jetzt schon zum fünften mal wahrend der Fahrt zu seinem Fahrgast um.
Dieses mal jedoch hatte er überraschenderweise nur noch eine Hand am Lenkrad, während er mit der anderen vor Sir Gianellos Gesicht herum fuchtelte.
“Wenn wir heil angekommen sind.
Ich wäre ihnen außerdem sehr verbunden wenn sich etwas mehr auf den Verkehr und die Straße konzentrieren würden, zumindest während der Fahrt.
Ich meine das könnte in unser beider Interesse sein.
Momentan kann ich mir nämlich keinen längeren Klinikaufenthalt leisten,” erklärte Sir Gianello.
“Ach, so lieben wir sie, immer einen kleine Scherz auf den Lippen.”
In Sir Gianello brodelte bereits bedenklich und nach weiteren nervigen 13 Minuten erreichten sie endlich die Studios.
“Soll ich auf sie warten?” wollte der Fahrer wissen.
“Das wäre wirklich zu liebenswürdig, aber ich fürchte hier noch für den Rest des Tages zu tun zu haben und ich möchte ihre Geduld daher nicht überstrapazieren,” erklärte Sir Gianello mit soviel Charme ,wie er gerade noch aufbringen konnte.
“Von meiner eigenen ganz zu schweigen,”letzteres sagte er natürlich nicht.
“Was bin ich ihnen schuldig?”
“Kostenlos, ihre Gesellschaft ist mir Ehre genug gewesen, wenn sie mir jetzt aber noch ein Autogramm für zwei meiner Kollegen und eines für mich geben würden.
“Aber gern, wo soll ich Unterschreiben?”
“Moment,” der Fahrer griff zur Seite, wo ein kleiner Beutel stand.
Daraus zückte er drei Fotoalben, griff schließlich zu einem mit der Aufschrift Opernsänger und fand nach einer etwas länger andauernden Suchaktion, welche er mit den Worte:” Schließlich muß man auf alles vorbereitet sein,” zu überbrücken suchte die entscheidenden Bilder von Sir Gianello, welche vor fünf Jahren aufgenommen worden waren und ihn mit einem besonders wiederlichen breiten Lächeln abgebildet wiedergaben .
“Wo haben sie die denn her?” wollte Sir Gianello beim signieren wissen.
“Von ihrer Presseabteilung. Ihrer damaligen Plattenfirma hat diese auf Anfrage verschickt ,”erklärte dieser begeistert.
“Wenn ich damals noch nach einem Kündigungsgrund gesucht hatte, diese Bilder wären einer gewesen. ,” sinnierte er.

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