4. Aufzug: Der Mord

“Unsere Sendung geht hiermit zu ende.
Schön das sie wieder einmal zugeschaut haben, wir sehen uns dann in vier Wochen wieder und bis dahin alles gute und ein schönes Wochenende wünscht ihnen ihr Edward Cornwell,” er lächelte dabei noch einmal in die Kamera.
Auf einen Wink des Regisseurs wurde diese dann abgeschaltet und das eingefrorene lächeln des Moderators verschwand ebenso schnell wieder.
Das Licht im Zuschauerraum ging wieder an und man strömte dem Ausgang entgegen.
Auch die Gäste erhoben sich einer nach dem anderen, lediglich Sir Gianello ließ sich noch etwas Zeit bis auch er sich schließlich erhob um sich auf die Studiotür zuzubewegen.
Auf halber Strecke spürte er plötzlich wie sich ihm eine Hand auf die Schulter legte.
“Wissen sie, was sie heute abend gemacht haben,” murrte Erdward Cornwell in sein Ohr
“Überlegen sie genau, was sie vor den Ohren ihrer Assistentin sagen, es könnte sonst für eine Beleidigungsklage reichen,” klärte Sir Gianello mit der Hand nach der Wasserkaraffe greifend, da es ihm noch nach etwas Flüssigkeit dürstete.
Der Druck auf seiner Schulter nahm unlängst etwas zu.
“Sie haben versucht mich lächerlich zu machen,” fuhr die Stimme dann beschwörend fort.
“Keine Sorge, das haben auch schon ganz andere ohne mein zu tun geschafft,”erklärte dieser unzweideutig.
“Und jetzt werden sie sofort meine Schulter loslassen.”
“Oder,”! Wollte Edward Cornwell ein wenig in rage versetzt und mit noch festerem Druck wissen.
“Das!” erklärte Sir Gianello eine elegante Drehung sowohl seines Körpers wie auch der Wasserkaraffe vollführend um auf diesem Wege für eine leichte Abkühlung der Gemüter und ganz speziell jenes von Edward Cornwell zu vollführen.
“Und wenn sie mich noch einmal anfassen werde ich ihnen diese Karaffe das nächstemal links und rechts um die Ohren hauen, haben wir uns verstanden, “klärte Sir Gianello mit der Karaffe in der Hand bewaffnet und eine passende Handbewegung vollführend das Studio verlassend auf.
Auf dem ungemütlich kalt wirkenden Flur angelangt stellte er diese dann auf einen kleinen Beistelltisch und verschwand in das ganz in der Nähe gelegene WC um sich dort ein wenig frisch zu machen und seine Hände zu waschen.
Als er nach wenigen Minuten das gewisse Örtchen wieder verließ war die Karaffe verschwunden.
Aus dem Augenwinkel heraus konnte er erkennen wie Edward Cornwell einem begossenen Pudel nicht ganz unähnlich wirkend ebenfalls das Studio verließ und in die entgegengesetzte Richtung das weite suchte.
Er sah ihm noch dreißig Sekunden nach, dann wandte sich Sir Gianello das Gebäude verlassen wollend dem Ausgang zu.
Dort angelangt stieg in seinen bereits vor der Tür wartenden Wagen und begab sich so auf die
Heimreise.
Knapp eineinhalb Stunden später erreichte er sein Ziel.
“Abend Jameson.”
“Guten Abend, Sir.”
“Sind Melanie und Tim schon zurück.”
“Sie geruhten sich bereits für die Nacht fertig zu machen.”klärte ihn sein Butler auf.
Sir Gianello nickte schweigend, als er den Fahrstuhl betrat.
“Darf ich ihnen noch etwas bringen.
“Vielen Dank, aber ich wurde und bin bereits hinreichend bedient,”erklärte dieser unumwunden.
“Wie sie wünschen, Sir.
Angenehme Nachtruhe.”
“Danke,” grummelte Sir Gianello als sich die Türen schloßen und der Fahrstuhl sich in Bewegung zur Oberenetage setzte.
Ohne größere Umschweife begab sich Sir Gianello dann oben angelangt sofort in sein Schlafgemach und ließ sich erschöpft ins Bett fallen.

Edward Cornwell griff nach der mehr feucht als fröhlichen Überraschung zu einem Handtuch, welches ihm Sarah Danken sofort gereicht hatte und legte sich um seine Frisur, so gut es eben ging, wieder trocken.
“Das wird er mir bezahlen, verlassen sie sich darauf.
Auch bei ihm werde ich noch das bekannte Haar in der Suppe finden, und dann wird er genauso bluten müssen, wie alle anderen.
Haben sie übrigens die Disketten und mein Notizbuch,” wollte er dann wissen.
“Seien sie unbesorgt, ich habe alles sicher verwahrt,” beruhigte sie ihn.
“Sehr gut, wenn mir also irgend etwas zu stoßen sollte, dann wissen sie was ´zu tun ist?”
“Aber selbstverständlich,” erklärte sie und verließ das Studio.
Nach wenigen Minuten folgte er ihr und ging noch einmal zu seinem Büro.
Die Tür fand er jedoch zu seiner Überraschung statt geschlossen nur angelehnt vor und die Vorhänge waren bereits zugezogen worden.
“Geben sie sich keine Mühe, sie kommen zu spät.
Die Unterlagen befinde sich nicht mehr hier,” erklärte Edward Cornwell beim eintreten.
“Ich weiß,” erklärte eine Stimme hinter der Sessellehne.
“Was wollen sie dann noch hier?”
“Kommen sie näher, dann werde ich es ihnen erklären?” versprach die Stimme.
Edward Cornwell trat näher und als er den Schreibtisch erreichte schwang der Sessel herum.
Aus dem Augenwinkel heraus erkannte er die schwere Wasserkaraffe die auf seinen Kopf zu sauste.
Seine Augen weiteten sich noch einmal vor erstaunen, was sich sowohl auf den Anblick der sich ihm nähernden Wasserkaraffe bezog so wie auch, auf den Moment des Erkennens jener Person,
die ihm gegenüber saß.
“Nein!!”

Es war kurz nach eins, als ein schrilles Telefonklingeln Inspektor Conrad aus seinen wohlverdienten Träumen riß.
Inspektor Conrad war Mitte vierzig und hatte es vor einer Woche geschafft die zweite Scheidung hinter sich zu bringen.
Langsam tastete sich seine Hand zum Telephonhörer vor:” Conrad, was gibt es?
Dringend, das dacht ich mir um diese Uhrzeit.
Anderenfalls hätte sie spätestens morgen früh gelyncht, Davids.
Was!!?, ob ich die Talkshow gestern abend gesehen habe?
Ja, sind sie denn von allen guten Geistern verlassen, mich deswegen um …”er suchte nach einer Uhr, fand aber so schnell keine, “mich in aller Herrgottsfrühe anzurufen?
Wie?
Na schön, wenn es sie glücklich macht, ja ja ja , ich habe sie gesehen.
Und war es das jetzt kann ich…
Was heißt hier Tod?
Wer ist Tod?
Ach der, erschlagen sagen sie, mit einer Wasserkaraffe, ja, ja ich werde so schnell es geht am Tatort sein,” Inspektor Conrad legte den Hörer wieder auf die Gabel zurück, schwang schließlich die Beine und letztendlich dann auch sich aus dem Bett.
Machte sich kurz über sein Waschbecken gebeugt frisch, zog etwas bequemes gerade in der Nähe liegendes an und eilte aus dem Haus.
Draußen sprang er dann in seinen Wagen und es gelang ihm unter Mißachtung beinahe sämtlicher Verkehrsregeln zu denen auch ein dreimaliges Blitzes wegen einer geringfügen Geschwindigkeitsüberschreitung von nahezu 200 % gehörten, eine halbe Stunde später im Studio zu sein.
Sein Assistent welcher ihm bereits rauhend vor der Tür erwartet führte ihn sofort in das Büro des Ermordeten.
Die Leiche lag noch auf dem Teppich ebenso wie etliche Glasscherben die überall da zu finden waren, wo man gerade hintrat.
“Konnten Fingerabdrücke sichergestellt werden?`”
“Ja, wie vergleichen sie gerade mit denen der Studiogäste und den Mitarbeitern, das kann aber noch eine Weile dauern.
Glücklicherweise wurde das Studio noch nicht sauber gemacht,” erklärte Davids.
“Inspektor?” ein Polizeibeamte betrat den Raum.
“Ja, was gibt es?”
“Sir, wir haben Glück, auf dem Griff der Wasserkaraffe welcher Glücklicherweise unbeschädigt blieb, konnten wir ein paar Fingerabdrücke sicherstellen.”
“Und?”
Die einen gehören einer gewissen Sarah Danken, der Assistentin des ermordeten, welche während der Sendung aus dieser Karaffe Mineralwasser an die Gäste verteilte und wir fanden noch ein zweites paar Fingerabdrücke,” fuhr der Beamte dann fort.
“Ja und ,nun machen sie es nicht so spannend, zu wem gehören sie.”
“Einem Italiener, wir konnten auch schon seine Adresse ausfindig machen,” der Beamte reichte seinem Inspektor einen kleinen abgerissen wirkenden Zettel.
“Sir Francesco Gianello,” murmelte der Inspektor halblaut.
“Gute Arbeit, schicken sie mir sofort einen Streifenwagen hin, ich werde mich ebenfalls sofort auf den weg machen.”
“Ist bereits geschehen, Sir.”
“Sehr gut, sie sollen aber warten bis ich da bin, gute Nachrichten überbringe ich immer gern persönlich.
“Ich weiß, Sir,” erklärte der Beamte schmunzelnd,” Ich habe bereits auch das veranlaßt.
“Sehr gut, ich werde sie für eine Beförderung vorschlagen, wie war doch gleich ihr Name,” erklärte der Inspektor ohne eine antwort abzuwarten aus dem Büro stürmend.

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